Wenn Unwetter, Erdbeben oder Fluten zuschlagen, trifft es zuerst die eigenen vier Wände. Zum Internationalen Tag der Katastrophenvorsorge meldet das UN-Büro UNDRR: 43 Prozent der von Staaten gemeldeten direkten wirtschaftlichen Verluste entfallen auf Wohngebäude. Rund die Hälfte der Betroffenen erlebt zudem Schäden oder den Totalverlust der Wohnung.
Das Motto 2026 lautet „Resilience Starts at Home“. UN-Generalsekretär António Guterres erinnerte daran, dass Sicherheit dort beginne, wo Menschen leben – wer Risiken kennt, einen Plan hat und schnell handelt, könne Leben retten. Kamal Kishore, Leiter von UNDRR, stellte klar: Solange Häuser unsicher bleiben, sinken weder die Zahl der Betroffenen noch die Kosten spürbar.
Globale Modelle der Coalition for Disaster Resilient Infrastructure schätzen die jährlichen Mittelverluste an Wohnbauten durch Wirbelstürme, Hochwasser, Tsunamis und Erdbeben auf etwa 228 Milliarden Dollar – mehr als die Hälfte der geschätzten Gebäudeverluste aus diesen vier Gefahren. Elf Jahre nach dem Sendai-Rahmenwerk sinkt die Sterblichkeit, die Zahl der Betroffenen und die Wirtschaftsschäden aber kaum.
Parallel zeigt der World Risk Poll 2026 der Lloyd’s Register Foundation die Lücke zwischen Warnung und Handeln. Vier von fünf Betroffenen erhielten wenigstens eine Vorwarnung; doch mehr als ein Drittel konnte nicht reagieren. Hatten Haushalte weder einen Notfallplan noch Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit, schafften nur 27 Prozent den Schritt zur Schutzmaßnahme – mit beidem stieg der Anteil auf 83 Prozent.
UNDRR fordert deshalb risikobewusste Standorte, strengere Bauvorschriften, Sanierungen und Vorrang für den Wiederaufbau nach höheren Standards. Wohnraumknappheit gilt zugleich als Chance: Neue Siedlungen könnten von vornherein widerstandsfähiger geplant werden. Frühwarnsysteme allein reichen nicht: Menschen brauchen Information, Ressourcen und die Zuversicht, dass Handeln etwas bewirkt – auch über Handy-Warnungen hinaus, die laut Umfrage viele Unerreichte bereits besitzen.
