Die von Donald Trump am Sonntag ausgerufene „Energie-Waffenruhe“ hat nicht einmal drei Tage gehalten. In der Nacht zu Mittwoch überzog Russland die Ukraine erneut mit Raketen und Drohnen, und im Visier standen vor allem Kraftwerke und Umspannanlagen. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj sitzen seither mindestens 600.000 Menschen im Dunkeln. Am schwersten traf es Kiew, das Umland der Hauptstadt und die Großstadt Charkiw im Nordosten.
Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben. In Kiew starben zwei Bewohner, als ein mehrstöckiges Wohnhaus im Stadtteil Desnjanskyj getroffen wurde; ein weiteres Opfer meldete der Zivilschutz aus dem Bezirk Holossijiwskyj. Hinzu kommen zwei Tote im Gebiet Dnipropetrowsk und einer in der Region Saporischschja. Bürgermeister Vitali Klitschko bat die Kiewer, in den Schutzräumen auszuharren, während der private Versorger DTEK ganze Stadtteile vorübergehend vom Netz nehmen musste.
Die Bilanz der ukrainischen Luftwaffe zeigt, wo die Abwehr an ihre Grenzen stößt: Von 128 Drohnen wurden 115 abgefangen, von 39 Marsch- und ballistischen Raketen dagegen nur vier. Es war bereits die zweite Nacht in Folge, in der Raketen die Hauptstadt erreichten.
Moskau machte aus seinen Zielen kein Geheimnis. Das Verteidigungsministerium sprach von einem „massiven“ Schlag gegen Energie- und Kommunikationsanlagen, die angeblich dem ukrainischen Militär dienten. Genannt wurden zwei Heizkraftwerke in Kiew, zwei weitere in der Region, ein Umspannwerk, Anlagen in Charkiw sowie ein Rechenzentrum. Selenskyj wertete den Angriff als bewussten Bruch der von Washington verkündeten Feuerpause. Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits zuvor erklärt, Kiew habe keine „Atempause“ verdient.
Zusätzlich kämpfen die ukrainischen Streitkräfte mit einem technischen Problem: Laut Präsidentenberater Serhij Beskrestnow hat SpaceX über Nacht Starlink-Terminals gedrosselt, die sich schneller als rund 160 Kilometer pro Stunde bewegen. Mehrere militärische Einsätze seien dadurch gescheitert. Das Unternehmen von Elon Musk äußerte sich zunächst nicht. Russland wiederum meldete, über eigenem Gebiet 902 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben.
