Teheran will mit Angriffen auf Tanker die amerikanische Kongresswahl am 3. November beeinflussen – das sagen zumindest zwei hochrangige iranische Funktionäre, die mit der Nachrichtenagentur Reuters sprachen. Demnach hat das Land vor etwa zehn Tagen seine Taktik gegenüber Schiffen geändert, die aus iranischer Sicht gegen die eigenen Durchfahrtsregeln verstoßen. Art und Takt der Attacken seien angepasst worden, abgesegnet habe das die höchste Führungsebene.
Das erklärte Ziel ist ein hoher Ölpreis. Immer wenn Washington glaube, die Preise bald senken zu können, werde man gegensteuern, so einer der beiden Gesprächspartner – er sprach von einem „Schachspiel“. Künftig sollen die Operationen nicht mehr auf die Meerenge beschränkt bleiben, sondern auch den Golf von Oman und entferntere Gewässer erfassen. Für Regelbrecher werde es bald eine „vollständige Schließung“ geben.
Die Lage auf dem Wasser passt zu diesen Ankündigungen. Die britische Meldestelle UKMTO registrierte allein am Sonntag, dem 11. Oktober, sechs Treffer auf fünf Tanker und ein Containerschiff – so viele an einem Tag wie nie seit Kriegsbeginn. Vor der omanischen Hafenstadt Sohar traf eine Drohne den Produktentanker Petro Dolphin; nach indischen Angaben werden zwei Seeleute vermisst. Auch vor Katar und vor der Küste der Emirate wurden Schiffe beschossen.
Ein US-Militärvertreter bestätigte eine konkrete Veränderung: Weil amerikanische Angriffe große Teile der iranischen Radaranlagen zerstört haben, setzen die Revolutionsgarden nun unbewaffnete Späher in kleinen Booten ein. Eine solche Dau ließen US-Kräfte vergangene Woche räumen und versenkten sie anschließend.
Politisch ist der Konflikt, der mit amerikanischen und israelischen Luftschlägen am 28. Februar begann, längst ein Wahlkampfthema – auch wegen Kosten von rund drei Milliarden Dollar pro Monat. Präsident Trump hat angekündigt, Iran vor der Abstimmung nicht erneut anzugreifen. Außenminister Marco Rubio betont, die Meerenge sei „offen“ und es fließe fast so viel Öl wie vor dem Krieg.
