Neun Matchbälle hatte Aryna Sabalenka abgewehrt, beim zehnten war sie machtlos. Mit einer Vorhand die Linie entlang beendete Ann Li am Mittwoch nach zwei Stunden und 27 Minuten ein Zweitrundenmatch der Wuhan Open, das man so schnell nicht vergessen wird. Die US-Amerikanerin, aktuell Nummer 31 der Welt, gewann den ersten Satz nicht, drehte dann aber das Match: Satz zwei ging an sie, und den Entscheidungssatz holte sie im Tiebreak – der größte Erfolg ihrer Karriere nach Ranglistenpunkten.

Lange sah alles nach der Favoritin aus. Die topgesetzte Sabalenka, die in Runde eins ein Freilos hatte, holte den Auftaktsatz und führte im zweiten mit einem Break. Dann kippte die Partie. Li variierte geschickt mit flachen Rückhand-Slices und harten Vorhänden und zog im Entscheidungssatz auf 5:2 davon. Was folgte, war Nervenkitzel pur: Fünf Matchbälle wehrte Sabalenka in einem einzigen Aufschlagspiel ab, zwei weitere beim Stand von 4:5, noch einmal zwei im Tiebreak. Li ließ sich davon nicht beirren. Am Ende standen acht Asse auf ihrem Konto.

Für Sabalenka, die mit Tape am rechten Knie spielte und im dritten Satz die Physiotherapeutin rufen musste, ist es die zweite Niederlage in Folge gegen eine deutlich schlechter platzierte Gegnerin. In Peking war sie vergangene Woche an Nikola Bartunkova gescheitert. Die Weltranglistenerste ist sie seit den US Open nicht mehr, ihren letzten Titel gewann sie im März. Dabei hatte sie das Turnier in Wuhan bereits dreimal gewonnen und galt als klare Favoritin.

Li, deren Eltern aus China in die USA ausgewandert sind, bedankte sich beim Publikum auf Chinesisch. Es sei ein „verrücktes Match“ gewesen, sagte sie, und sie wolle nun einfach gutes Tennis spielen. Im Achtelfinale wartet die Indonesierin Janice Tjen.

Auch die an Nummer zwei gesetzte Jessica Pegula ist bereits raus, sie verlor gegen Jelena Ostapenko. Iga Swiatek dagegen gewann glatt gegen Magdalena Frech und feierte ihren 40. Saisonsieg. Die Britin Sonay Kartal überraschte mit einem klaren Erfolg über Belinda Bencic.

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