Vor der rumänischen Schwarzmeerküste läuft eine Rettungsaktion unter schwierigen Wellenbedingungen. Der unter san-marinesischer Flagge fahrende Chemikalientanker Wine Trader meldete am Donnerstagmorgen Explosionen und Feuer, rund 13 Seemeilen südöstlich von Sulina an der Donaumündung. Von zwölf Besatzungsmitgliedern konnten fünf gerettet werden; sieben gelten als vermisst.
Präsident Nicușor Dan bestätigte, dass sowohl die Wine Trader als auch der ebenfalls chemische Tanker Yara J von Drohnen getroffen worden seien – die Yara J bereits am Mittwochabend. Deren Crew löschte das Feuer selbst und blieb unverletzt. Die Wine Trader war nach Behördenangaben leer unterwegs, auf dem Weg von Tunesien nach Rumänien.
Zwei Black-Hawk-Hubschrauber und Rettungsboote suchen weiter. Ein Nato-Militärkontakt sagte der Agentur Reuters, die Drohnen, die an Bord der beiden Schiffe in rumänischen Gewässern Feuer auslösten, seien russischen Ursprungs gewesen. Bukarest nannte den Angriff auf Handelsschiffe „inakzeptabel“ und kündigte eine staatliche Antwort an, ohne die Herkunft der Waffen vorerst offiziell zuzuordnen.
Dan traf in Brüssel den bulgarischen Premier Rumen Radew und Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Auf dem Tisch liegt unter anderem, ob Artikel 4 des Nordatlantikvertrags angerufen werden soll – Konsultationen bei Bedrohung der Sicherheit. Bereits am Dienstag waren vor Bulgarien zwei Handelsschiffe getroffen worden; eines sank, elf Seeleute fehlen seither.
Nach Reuters-Zählung sind in den vergangenen zehn Tagen an den Küsten Bulgariens und Rumäniens mindestens 23 Seeleute vermisst oder getötet worden. Für die EU und die Nato wird die westliche Schwarzmeerroute damit zur neuen Eskalationszone: Getreide- und Zivilverkehr weicht dorthin aus, während Moskauer und Kiewer Vorwürfe über Militärgut und zivile Opfer weiter auseinanderlaufen.
