Ein einziger Lastwagen ist zur Bewährungsprobe für den libanesischen Staat geworden. Sicherheitskräfte hatten das Fahrzeug vergangene Woche am Kontrollpunkt Dahr al-Baidar gestoppt, an der Bergstraße zwischen Beirut und der Bekaa-Ebene. Laut Justizkreisen lagen auf der Ladefläche rund 780 Kilogramm Sprengstoff, darunter jeweils etwa 250 Kilogramm TNT und C-4. Zwei Männer sitzen seither in Haft.
Am Donnerstag bekannte sich die Hisbollah offen zu der Fracht. Der Abgeordnete Hassan Fadlallah sagte im Parlament, das Material sei ausschließlich für den Kampf gegen israelische Soldaten im Süden bestimmt gewesen. Berichte über geplante Anschläge im Inland wies er zurück. Zugleich verlangte er, Lkw und Sprengstoff zurückzugeben und die Festgenommenen freizulassen.
Genau das will Washington verhindern. US-Außenminister Marco Rubio rief Präsident Joseph Aoun an und forderte nach Angaben aus dem State Department, alle Auftraggeber und Geldgeber zur Rechenschaft zu ziehen; eine Rückgabe komme nicht infrage. Aoun versicherte, Armee und Sicherheitsdienste setzten die Beschlüsse zur Entwaffnung und gegen Schmuggel konsequent um. Ein libanesischer Beamter zitierte ihn mit dem Satz, niemand komme frei, „es sei denn, er ist unschuldig“.
Politisch ist der Fall heikel. Die Regierung hatte im März jede militärische Tätigkeit der Hisbollah für illegal erklärt, Ministerpräsident Nawaf Salam sprach nun von einer „kriminellen Operation“ und ließ Ermittlungen einleiten. Gibt Beirut nach, verliert dieser Kurs an Glaubwürdigkeit; bleibt es hart, droht Streit mit einer Bewegung, die im Parlament weiterhin einflussreiche Verbündete hat.
Aoun nutzte das Gespräch auch für eine eigene Bitte: Rubio möge Israel zu einem Ende der Angriffe im Südlibanon bewegen. Rubio wiederum kritisierte ein Boykottgesetz von 1955, das jeden Kontakt zu Israelis verbietet und derzeit gegen die libanesische Botschafterin in Washington angewendet wird. Kommende Woche sollen Offiziere der USA, des Libanon und Israels in Tampa über den schleppenden israelischen Rückzug beraten.
