Vierzehn Jahre lang wurde verhandelt, am Sonntag war es so weit: In Hanoi haben Vietnam und die vier Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA – die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein – ihr Freihandelsabkommen unterschrieben. Staats- und Parteichef To Lam verfolgte die Zeremonie persönlich.

Für Vietnam unterzeichnete Handelsminister Le Manh Hung. Die europäische Seite war hochrangig vertreten, unter anderem durch den Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin und Liechtensteins Regierungschefin Brigitte Haas, dazu kamen Islands Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir und die norwegische Staatssekretärin Astrid Bergmål.

Das Vertragswerk, kurz VEFTA genannt, regelt weit mehr als Zölle. Es enthält Kapitel zu Dienstleistungen, Investitionen, geistigem Eigentum, öffentlicher Beschaffung, Wettbewerb und Nachhaltigkeit sowie eigene Bestimmungen für kleine und mittlere Unternehmen.

Wie konkret die Vorteile sein können, zeigt das Beispiel Norwegen. Auf Lachs und Makrele aus dem Norden erhebt Vietnam bisher bis zu 15 Prozent Zoll. Lachs soll mit Inkrafttreten sofort zollfrei sein, bei Makrelen fällt die Abgabe innerhalb von drei Jahren weg. Insgesamt rechnet Oslo damit, dass zunächst rund die Hälfte und nach sieben Jahren über 98 Prozent seiner Ausfuhren nach Vietnam ohne Zoll ankommen.

Hanoi wiederum setzt auf mehr Absatz für Meeresfrüchte, Schuhe, Textilien und Elektronik in einer kaufkräftigen Region. Im Gegenzug bezieht das Land Maschinen, Chemikalien und Arzneimittel aus den EFTA-Staaten. Das Handelsvolumen lag nach vietnamesischen Zahlen 2025 bei 4,8 Milliarden Euro – ohne den Goldhandel mit der Schweiz –, wobei Vietnam einen Überschuss von 2,5 Milliarden erzielte. Schweizer Firmen sind bereits an 234 Projekten mit mehr als 2,4 Milliarden Dollar Kapital beteiligt.

Bis die ersten Zölle tatsächlich sinken, dauert es noch: Das Abkommen muss erst in allen beteiligten Ländern ratifiziert werden. Und vietnamesische Exporteure müssen die strengen europäischen Standards erfüllen, um es wirklich nutzen zu können.

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