Lange hatte Donald Trump zu der Frage geschwiegen, ob er Benjamin Netanjahu bei der Parlamentswahl unterstützt. Am Sonntag kam die Antwort, ganz in seinem Stil: ein langer Beitrag auf Truth Social, gespickt mit Großbuchstaben. Darin spricht der US-Präsident dem israelischen Regierungschef seine „vollständige und totale“ Unterstützung aus. Gewählt wird in Israel am 27. Oktober.

Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Innenpolitik als der Iran. Trump lobte Netanjahu als großen Kriegspremier, der im Februar gemeinsam mit den USA den Krieg gegen die Islamische Republik begonnen habe. Zugleich verband er das Lob mit einer kaum verhüllten Drohung: Bekomme Israel einen anderen Regierungschef, müssten die Amerikaner die Arbeit gegen Teheran allein zu Ende bringen, und dazu habe er wenig Lust. Netanjahu bedankte sich prompt auf X: „Gemeinsam werden wir die Mission vollenden.“

Ob die Schützenhilfe wirkt, ist offen. Zwischen beiden Männern knirschte es in diesem Jahr mehrfach. Trump kritisierte einen israelischen Angriff auf ein iranisches Gasfeld, nannte Netanjahu im Juni „verrückt“ und bemängelte, dass die Kämpfe im Libanon die Gespräche mit Teheran bremsten. Noch Anfang Oktober hatte er behauptet, er mische sich nicht mehr in Politik ein. Viele Israelis sind zudem enttäuscht, dass der Iran-Krieg ohne klares Ergebnis endete.

Die Umfragen deuten auf ein knappes Rennen hin. Der Likud kommt demnach auf etwa 18 bis 22 der 120 Sitze in der Knesset, das rechts-religiöse Lager insgesamt auf rund 50. Für eine Mehrheit braucht es 61 Abgeordnete. Nach der Wahl beauftragt Präsident Izchak Herzog denjenigen mit der Regierungsbildung, der die besten Chancen auf eine Koalition hat.

Wahlempfehlungen für ausländische Politiker gibt Trump inzwischen regelmäßig ab, etwa in Ungarn, Japan, Polen oder Argentinien. Nicht immer mit Erfolg: Sein Favorit Viktor Orbán verlor in Budapest.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert