Von der angekündigten Energie-Waffenruhe ist nach einer Woche nichts übrig. Wolodymyr Selenskyj rechnete am Sonntag vor, Russland habe seit Donald Trumps Ankündigung vom 11. Oktober 76 Mal ukrainische Strom-, Öl- und Gasanlagen angegriffen. Das Ziel sei klar, sagte der ukrainische Präsident: Russland wolle das Land vor dem Winter ins Dunkel stürzen.
Allein in der Nacht trafen Drohnen und Raketen Umspannwerke in den Gebieten Winnyzja, Schytomyr, Chmelnyzkyj und Odessa. Zehntausende Familien saßen ohne Strom da, Reparaturtrupps arbeiteten rund um die Uhr. Bei Einschlägen in Wohngebieten starben zwei Menschen, mehr als ein Dutzend wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Für die gesamte Woche nannte Selenskyj fast 2700 Kampfdrohnen, rund 1700 Gleitbomben und 66 Raketen, überwiegend ballistische. Die USA müssten erkennen, dass Moskau Lockerungen von Sanktionen nicht mit Zugeständnissen beantworte.
Kiew hatte der Feuerpause nie formell zugestimmt, sondern nur erklärt, sie mitzutragen, falls Russland stillhält. Inzwischen greift auch die Ukraine wieder russische Raffinerien und Treibstofflager an.
Im Gespräch mit dem US-Sender NBC bedankte sich Selenskyj zudem dafür, dass Washington die Geheimdienstinformationen über anfliegende ballistische Raketen wieder liefert. Drei Tage lang sei dieser Kanal blockiert gewesen. Gleichzeitig blieb er bei seinem Vorwurf, die gedrosselten Starlink-Verbindungen an der Front seien eine Botschaft der US-Regierung gewesen. Finanzminister Scott Bessent nannte das in derselben Sendung „sehr leichtsinnig“ und wies jede Beteiligung der Regierung zurück.
Unruhe gab es auch in Litauen. Wegen eines unbekannten Flugobjekts mussten Bewohner mehrerer Regionen rund eine Stunde Schutz suchen, der Flughafen Kaunas schloss kurzzeitig. Die Ukraine entschuldigte sich später: Eine ihrer Drohnen sei womöglich durch russische Störsender vom Kurs abgekommen.
