Der Krieg im Jemen hat eine neue Eskalationsstufe erreicht – und er schwappt immer deutlicher über die Grenze. Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz erklärte in der Nacht zum Samstag, sie habe bei einer großangelegten Offensive 136 militärische Ziele in den von den Huthi beherrschten Gebieten zerstört. Wenige Stunden später musste der König-Khalid-Flughafen in Riad abermals geräumt werden.
Koalitionssprecher Turki al-Maliki verbreitete auf X Videoaufnahmen der Luftschläge. Ziel sei es, das Raketenarsenal der Miliz zu zerschlagen; zudem seien drei Abschussrampen vernichtet worden. Die Luftwaffe unterstütze die jemenitischen Regierungstruppen „rund um die Uhr“. Diese wollen unter dem Namen „Morgendämmerung des Jemen“ verlorenes Terrain zurückerobern, langfristig sogar die Hauptstadt Sanaa. Nach eigenen, unabhängig nicht überprüfbaren Angaben brachten sie inzwischen die Meerenge Bab al-Mandab und die Insel Mayun unter ihre Kontrolle.
Für Saudi-Arabien ist die Lage längst kein fernes Problem mehr. Am Donnerstag starben bei zwei Attacken auf den Hauptstadtflughafen drei saudische Staatsbürger, darunter ein Pilot; drei Flugzeuge wurden beschädigt. Am Samstagnachmittag folgte der nächste Angriff mit mehreren Verletzten. Die Luftfahrtbehörde stoppte den Betrieb vorsorglich, Airlines aus Kuwait, Abu Dhabi und Sri Lanka strichen Verbindungen, die USA und Kanada rieten ihren Bürgern, das Gelände zu meiden.
Bei den Vereinten Nationen wächst die Sorge. Der Sondergesandte Hans Grundberg warnte vor dem Sicherheitsrat, dass vor allem Frauen und Kinder den Preis zahlten. Seit August zählte die UN mindestens 46 getötete Zivilisten. Militärische Erfolge könnten Verhandlungen nicht ersetzen, mahnte er. Riads UN-Botschafter betonte dagegen, sein Land werde nicht zulassen, dass der Jemen zur Startrampe für Angriffe auf das Königreich werde.
Im Hintergrund steht die Sorge um eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt: Durch Bab al-Mandab läuft der Verkehr zwischen Rotem Meer und Golf von Aden – eine Alternative zur ohnehin stark gestörten Straße von Hormus.
