Ein zerstörter Treppenaufgang, darunter Schutt und Menschen: In der südostukrainischen Großstadt Saporischschja haben russische Gleitbomben am Samstagmorgen Wohnblöcke getroffen. Nach Angaben der regionalen Behörden kamen mindestens 17 Menschen ums Leben, unter ihnen drei Kinder. 16 weitere wurden verletzt, sechs galten am Nachmittag noch als vermisst. Für Sonntag hat die Stadt Trauer angeordnet.

Mehr als 80 Einsatzkräfte durchsuchten die Trümmer. Immer wieder unterbrachen sie die Arbeit, um auf Klopfzeichen zu horchen. Eine Frau konnte lebend geborgen und in eine Klinik gebracht werden. Die amtierende Bürgermeisterin Regina Kharchenko schilderte im Fernsehen, wie nach dem Einschlag im Erdgeschoss die Stockwerke darüber in sich zusammensackten. Saporischschja zählt rund 700.000 Einwohner und liegt nur etwa 16 Kilometer hinter der Front – Angriffe gehören dort seit Monaten zum Alltag.

Politisch wiegt der Zeitpunkt schwer. Erst am Vortag hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, mit Wladimir Putin eine Lockerung der Beschränkungen für russische Dieselexporte vereinbart zu haben. Wolodymyr Selenskyj verknüpfte beides direkt: Russland habe sich mit fünf Bomben auf Wohnhäuser „bedankt“. Jede Lockerung des Drucks verstehe Moskau als Freibrief, weiterzukämpfen. Die Bundesregierung kündigte an, an den bestehenden Sanktionen festzuhalten und mit den EU-Partnern an weiteren Maßnahmen zu arbeiten.

Auch die Hauptstadt blieb nicht verschont. Nach Schäden an einer Energieanlage im Umland fiel in Kiew vielerorts der Strom aus, die Wasserversorgung stockte, die Metro stand zeitweise still. Die ukrainische Luftwaffe meldete 160 russische Drohnen in der Nacht, von denen 117 abgefangen oder ausgeschaltet worden seien.

Die Woche war ohnehin eine der blutigsten seit Langem: In Kramatorsk starben am Donnerstag mindestens 33 Menschen bei einem Angriff auf zwei Busse, tags zuvor in Pryluky 22. Laut den Vereinten Nationen stieg die Zahl ziviler Opfer in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 55 Prozent. Gespräche von Vertretern der USA, der Ukraine und Europas in Miami endeten am Freitag ohne Durchbruch.

samweber.si

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