Er dreht sich mehr als 300-mal pro Sekunde um die eigene Achse – und gab Astronomen lange ein Rätsel auf. Der Pulsar PSR J0435+3233, aufgespürt mit dem chinesischen Riesenradioteleskop FAST, schien seine Rotation ungewöhnlich stark abzubremsen, etwa hundertmal schneller als vergleichbare Objekte in der Milchstraße. Jetzt liegt die Erklärung vor: Der Neutronenstern ist nicht allein, sondern Teil eines Systems aus drei Himmelskörpern.
Ein Team um Zonglin Yang von den Nationalen Astronomischen Observatorien Chinas wertete dafür knapp fünf Jahre Radiomessungen von FAST sowie fast 17 Jahre Gammastrahlungsdaten des NASA-Teleskops Fermi aus, ergänzt um optische und Infrarotaufnahmen. Das Ergebnis: Ganz nah umrundet den Pulsar ein Weißer Zwerg aus Helium, einmal alle acht Tage. Weit draußen zieht ein sonnenähnlicher Unterriese seine Bahn um das Paar – für eine Runde braucht er rund 73,5 Jahre. Die beiden Bahnebenen stehen stark schräg zueinander.
Die scheinbar heftige Abbremsung ist damit eine optische Täuschung im übertragenen Sinn. Weil der ferne Begleiter das innere Paar mal auf uns zu, mal von uns weg zieht, verschiebt sich das Taktsignal. Eine zweite, unabhängige Analyse kommt zu dem Schluss, dass die wahre Bremsrate mindestens hundertfach niedriger liegt und damit völlig normal ist.
Spannend ist das System auch wegen seiner Vorgeschichte. Millisekundenpulsare gewinnen ihr Tempo meist, weil ein Partnerstern Materie auf sie überträgt. Dass hier gleich zwei Begleiter existieren und das Trio fernab dichter Sternhaufen liegt, spricht dafür, dass die drei gemeinsam entstanden sind. Die Supernova, aus der der Pulsar hervorging, hätte die Gruppe leicht zerreißen können: Selbst ohne Rückstoß lag die Überlebenschance Schätzungen zufolge bei nur etwa 35 Prozent.
Rund 2,1 Kiloparsec, also knapp 7.000 Lichtjahre, ist das System von der Erde entfernt. In ferner Zukunft dürfte auch der Unterriese zum Weißen Zwerg werden – dann kreisen ein Neutronenstern und zwei ausgebrannte Sternreste umeinander. Für die Forschung ist es schon heute ein Naturlabor, um zu verstehen, wie Sterne gemeinsam altern.
