Montagmorgen, kurz nach zwanzig nach neun Ortszeit: Südkoreas Generalstab registriert mehrere Starts aus der Gegend um Pjöngjang. Die Geschosse, offenbar unterschiedlicher Bauart, fliegen ostwärts aufs Meer hinaus, mindestens eines legt mehr als 900 Kilometer zurück. Tokio meldet zwei Einschläge im Japanischen Meer, beide außerhalb der japanischen Wirtschaftszone.

Für Nordkorea ist es bereits die vierte Testserie innerhalb eines Monats und mehr als die zehnte im laufenden Jahr. Erst am 3. Oktober hatte das Regime eine Rakete abgefeuert, die Staatsmedien später als Mittelstreckenwaffe mit Hyperschall-Technik präsentierten.

In Seoul sieht man den neuen Start vor allem als Retourkutsche. Vergangene Woche hatte Südkorea erstmals einen eigenen Hyperschall-Gleitflugkörper getestet, Präsident Lee Jae Myung war persönlich dabei. Ein Sprecher des Generalstabs sprach nun von einer Machtdemonstration des Nordens. Welche Raketentypen genau zum Einsatz kamen, wollte das Militär vor Abschluss der Auswertung nicht sagen.

Hinter dem Wettrüsten steht ein Streit, der seit Wochen schwelt. Im September wurden drei südkoreanische Soldaten verletzt, als an der Grenze Landminen explodierten. Seoul und das UN-Kommando machen den Norden dafür verantwortlich, Pjöngjang weist jede Schuld von sich und wirft dem Süden Provokation vor.

Südkoreas Nationaler Sicherheitsrat trat zu einer Krisensitzung zusammen und verurteilte die Starts als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Beobachter vermuten neben der Reaktion auf Seoul noch ein weiteres Motiv: Ein früherer Beamter des Verteidigungsministeriums sagte der Agentur Reuters, Kim Jong Un wolle vor einem möglichen Gipfel mit Donald Trump seinen Verhandlungswert steigern.

Für Japan bleibt das Problem, dass neuere nordkoreanische Raketen ihre Flugbahn ändern können. Das erschwert nicht nur das Abfangen, sondern bereits das Verfolgen der Geschosse.

samweber.si

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