Statt Immunzellen aus dem Blut zu holen, umzubauen und zurückzugeben, genügt künftig vielleicht eine Infusion. Ingenieure am MIT berichten in „Nature Biotechnology“, dass Lipid-Nanopartikel Boten-RNA gezielt in natürliche Killerzellen schleusen und sie so im lebenden Organismus zu CAR-NK-Zellen umprogrammieren.
Diese Zellen sollen fehlerhafte T-Zellen angreifen – etwa bei T-Zell-Lymphomen oder Autoimmunhepatitis. Bisherige CAR-T-Therapien stoßen bei T-Zell-Erkrankungen oft an Grenzen, weil umgebaute T-Zellen einander vernichten können. NK-Zellen haben dieses Problem nicht. Der Haken war bislang die aufwendige Herstellung außerhalb des Körpers.
Das Team um Chemieingenieur Daniel Anderson beschichtet die Partikel mit Antikörperfragmenten, die an Oberflächenrezeptoren der NK-Zellen andocken. In Mäusen nahmen rund 80 Prozent der angezielten Killerzellen die neue Bauanleitung an. Bei aggressivem Melanom gingen drei von fünf behandelten Tieren in vollständige Remission. In einem humanisierten Lymphom-Modell verschwanden die Tumoren nach fünf Injektionen – vergleichbar mit klassisch hergestellten CAR-NK-Zellen.
Bei Autoimmunhepatitis reichte eine einzige Dosis: Autoreaktive T-Zellen wurden beseitigt, Leberschäden heilten ab. Erstautor Yuang Chen sowie die Doktoranden Julia Monkovic und Haseeb Mughal teilen sich die Führungsautorschaft; Mitautor ist auch Robert Langer. Finanzielle Unterstützung kam unter anderem von Sanofi und dem Marble Center for Cancer Nanomedicine.
Zugelassene CAR-NK-Therapien gibt es noch nicht; die Arbeit bleibt präklinisch. Anderson betont den praktischen Vorteil: Eine Infusion von Nanopartikeln könnte Herstellungskosten und Wartezeiten drastisch senken. Die Forscher hoffen auf Anwendungen bei weiteren T-Zell-getriebenen Autoimmunerkrankungen, darunter Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis – sofern sich Sicherheit und Wirkung beim Menschen bestätigen. Bis dahin bleibt der Weg vom Mausmodell zur Klinik der entscheidende Test.
