Kenia meldet eine zweite Ebola-Infektion. Betroffen ist ein 39-jähriger Mann aus der engsten Familie jenes Geschäftsmanns, der am 5. Oktober in Nairobi an dem Virus gestorben war. Der neue Patient befand sich bereits in Quarantäne, als er am Dienstag Fieber, Erschöpfung und Gelenkschmerzen bekam. Er wird nun in einer eigens eingerichteten Behandlungsstation versorgt.
Das Gesundheitsministerium bemüht sich um Ruhe. Beide Fälle hingen zusammen, Hinweise auf eine Ausbreitung in der Bevölkerung gebe es nicht. Reisen, Handel und Versammlungen seien weiter ohne Einschränkungen möglich. Die frühe Entdeckung verbessere die Heilungschancen des Mannes und senke das Risiko weiterer Ansteckungen. Die Bürger sollten „ruhig, aber wachsam“ bleiben.
Wie viel Arbeit dahintersteckt, zeigen die Zahlen der Behörden: Der Verstorbene hatte Kontakt zu 128 Menschen. 113 von ihnen wurden bislang ausfindig gemacht, 108 stehen in Kenia unter Quarantäne, nach 15 wird noch gesucht. Weil die Inkubationszeit bis zu 21 Tage beträgt, ist die Gefahr noch nicht vorbei. Das Virus wird über Körperflüssigkeiten wie Blut oder Erbrochenes übertragen; wer Fieber, Erbrechen oder ungewöhnliche Blutungen bemerkt, soll umgehend eine Klinik aufsuchen.
Brisant ist der Weg, den der erste Patient genommen hatte. Er erkrankte laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC schon Mitte September in der Demokratischen Republik Kongo, suchte dort mehrfach Kliniken auf und reiste dann über Uganda nach Kenia – unbemerkt bei Fiebermessungen an Flughäfen. Fachleute sehen darin die Grenzen solcher Kontrollen. Uganda, seit August offiziell ebolafrei, weist jede Verantwortung zurück.
Im Kongo wütet seit Mai der zweittödlichste bekannte Ausbruch, mit mehr als 4.000 Toten. Ausgelöst wird er vom seltenen Bundibugyo-Typ, gegen den es weder zugelassenen Impfstoff noch Therapie gibt; Studien laufen. Kenia ist das vierte Land mit einem Fall, der mit dieser Epidemie verbunden ist.
