Der Krieg zwischen Saudi-Arabien und den jemenitischen Huthi hat am Dienstagabend das Herz der saudischen Ölindustrie erreicht. In Dhahran, wo der Staatskonzern Aramco ein riesiges Steuerungszentrum für Pipelines, Raffinerien und Exportterminals betreibt, schlug ein Geschoss in ein Verwaltungsgebäude ein. Das Energieministerium sprach von einem „begrenzten Brand“; verletzt oder getötet worden sei niemand. Ein Firmeninsider schilderte der Agentur Reuters, eine ballistische Rakete habe einen Büroturm getroffen und dessen drei oberste Etagen beschädigt.
Vorausgegangen war ein Schritt, den es seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe im Juli nicht gegeben hatte: Die von Riad geführte Militärkoalition rief Zivilisten in der Hauptstadt Sanaa zur Räumung eines Treibstofflagers auf und bombardierte die Anlage kurz darauf. Weitere Angriffe galten Öltanks im Hafen Ras Isa sowie Zielen in Hodeida, Dhamar und Saada. Koalitionssprecher Turki al-Maliki begründete das damit, die Huthi nutzten die Depots für ihren Raketen- und Drohnenkrieg. Der Huthi-Betreiber erklärte dagegen, das Lager sei leer gewesen – vor Tankstellen in Sanaa bildeten sich trotzdem lange Schlangen.
Huthi-Sprecher Yahya Saree hatte für diesen Fall eine „harte und schmerzhafte“ Vergeltung angekündigt und Beschäftigte aufgefordert, Ölanlagen, den Flughafen von Riad und eine Raffinerie in der Hauptstadt zu meiden. Über Riad fing die Luftabwehr am Abend mehrere Flugkörper ab. Herabstürzende Trümmer verletzten nach Angaben des Zivilschutzes vier Menschen, darunter ein Kind, und beschädigten 15 Häuser.
Das Kabinett unter Kronprinz Mohammed bin Salman drohte den Huthi mit Konsequenzen. US-Präsident Donald Trump warf der Miliz vor, sich „sehr schlecht“ zu benehmen, und brachte eine Vermittlung durch den türkischen Präsidenten Erdoğan ins Gespräch. Der Internationale Währungsfonds rechnet für Saudi-Arabien in diesem Jahr inzwischen mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 3,3 Prozent. Im Jemen selbst wächst die Not: Laut UN sind mehr als 216.000 Menschen vertrieben, die Verdachtsfälle von Cholera haben sich binnen drei Wochen verdreifacht.
