Das US-Unternehmen Colossal Biosciences will den ausgestorbenen Dodo nicht mehr nur anhand von Fragmenten erraten, sondern systematisch nachbauen. Mit der neuen Plattform GenoMorph AI sollen Stellen im Erbgut gefunden werden, die dem flugunfähigen Vogel sein markantes Gesicht und den schweren Hakenschnabel verliehen – auch wenn die DNA-Lage dünn ist und tropische Böden wenig konservieren.
Während vom Wollmammut rund hundert Genome vorliegen, gibt es vom Dodo bislang nur eines. CEO Ben Lamm erklärt, man habe Entwicklungsdaten von Huhn, Wachtel, Ente und Taube mit genetischen Informationen und dreidimensionalen Schädelmaßen von mehr als siebzig Vogelarten kombiniert; der Aufbau habe über ein Jahr gedauert und soll Lücken schließen, die eine einzelne Genomsequenz nicht füllen kann.
Die KI lernt, welche DNA-Abschnitte aktiv werden, wenn Schnäbel und Gesichtszüge wachsen, und schlägt genetische Schalter für das Dodo-Aussehen vor – Lamm spricht von einer „Schatzkarte“ für das Genom. Rund 2300 vielversprechende Editierziele für die Schädel- und Gesichtsform stehen nun zur Laborprüfung. GenoMorph selbst verändert Gene nicht; es liefert nur Kandidatenlisten für die Biologen.
Zusätzlich entwickelt Colossal ein Lipid-Nanopartikel-System, das Editierwerkzeuge in Vogel-Embryonen bringen soll, ohne erst einen vollen Brutzyklus abzuwarten. Die Kolonie der Nikobartaube – engster lebender Verwandter aus Südostasien, flugfähig und mit schimmerndem Gefieder – zählt inzwischen 36 Tiere; Zellen für Eier und Spermien wurden bereits erzeugt und sollen als Testplattform dienen.
Das Dodo-Genom sei zu etwa 95 Prozent komplett; Tests sollen zuerst in Nikobartauben-Zellen folgen. Ein Schlüpfdatum nannte die Firma nicht. Investor Peter Diamandis gründete NeoGenesis Capital, um Firmen hinter der Colossal-Plattform zu stützen. Zielort bliebe Mauritius, wo Menschen den Vogel im 17. Jahrhundert ausrotteten – die Rückkehr bleibt vorerst ein kartiertes Forschungsprogramm, kein fertiger Vogel im Gehege.
