Drei Wochen vor den Zwischenwahlen in den USA ist eine der bekanntesten Kritikerinnen von Präsident Donald Trump ins Visier der Bundesbehörden geraten. Am Montagmorgen durchsuchten Beamte der Homeland Security Investigations (HSI), der Ermittlungseinheit des Heimatschutzministeriums, die Wohnung der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar im Großraum Washington.
Das Justizministerium bestätigte den Einsatz nur knapp: Ein Richter habe den Beschluss genehmigt, es gehe um ein laufendes Strafverfahren. Worum genau, blieb offiziell offen. Nach Informationen von ABC News stehen Omars Einwanderungsunterlagen im Mittelpunkt. Angeklagt ist die Politikerin nicht. Sie bestreitet jedes Fehlverhalten und hatte die Untersuchungen schon im September als „komplette Farce“ abgetan.
Omar kam als Kind aus dem Bürgerkriegsland Somalia in die Vereinigten Staaten, ist US-Staatsbürgerin und vertritt seit 2018 einen Wahlkreis rund um Minneapolis im Repräsentantenhaus – als erste Abgeordnete somalischer Herkunft. Republikaner nehmen ihre Biografie seit Langem ins Visier. Heimatschutzminister Markwayne Mullin hatte in einem konservativen Podcast angedeutet, es werde bald „etwas passieren“. Grenzbeauftragter Tom Homan bestätigte gegenüber Fox News Ermittlungen wegen nicht näher benannter Verstöße gegen das Einwanderungsrecht.
Brisant ist vor allem der Zeitpunkt. Traditionell vermeidet das Justizministerium kurz vor Wahlen sichtbare Ermittlungsschritte gegen Kandidaten, damit kein Verdacht politischer Einflussnahme entsteht. Omar bewirbt sich am 3. November um eine weitere Amtszeit, in Minnesota beginnt die vorzeitige Stimmabgabe noch in dieser Woche. 2024 hatte sie ihr Mandat mit 74 Prozent verteidigt.
Trump hatte die Abgeordnete erst am Samstag bei einer Kundgebung erneut attackiert und erklärt, Vizepräsident JD Vance und sein Team prüften den Fall intensiv. Früher hatte er sogar verlangt, sie gehöre ins Gefängnis. Omar sagt, die Drohungen gegen sie hätten durch solche Äußerungen massiv zugenommen. Ob sie am Montag zu Hause war, ist unklar; ihr Büro äußerte sich zunächst nicht, das Weiße Haus verwies an das Justizministerium.
