Entlang einer der am schnellsten schwindenden Küsten Thailands stehen jetzt keine Bambuszäune mehr im Schlamm – sondern Reihen aus Kunststoff und Holz, die aussehen wie stilisierte Mangrovenwurzeln. Eine Studie hat nach dem ersten Jahr Bilanz gezogen: An zehn von elf Testfeldern in der Provinz Samut Prakan lagerte sich Sediment an, zwischen 16 und 88 Zentimetern hoch.
Die Orte um Phra Samut Chedi am Chao-Phraya-Delta verlieren jedes Jahr 20 bis 60 Meter Land an die See. Meeresspiegelanstieg, absinkender Boden und zu wenig Nachschub an Schlick aus dem Fluss treffen zusammen. Klassische Bambusbarrieren zerfallen binnen ein bis zwei Jahren; junge Mangrovensetzlinge ersaufen oft, bevor sie Wurzeln schlagen. Harte Betonbauten stecken in Behördenverfahren fest oder schieben die Erosion nur weiter die Küste entlang.
Die Module, ursprünglich an der Kasetsart-Universität entworfen und von Forschern der Chulalongkorn-Universität verfeinert, sollen die Funktion echter Wurzeln nachahmen: Wellen bremsen, Schwebstoffe fallen lassen, den Meeresboden anheben. Einzelne Abschnitte lassen sich in zwei bis vier Wochen aufstellen. Garnelenzüchter berichteten von ruhigerem Wasser und konnten Deiche wieder aufbauen; an einer Stelle kehrten Setzlinge zurück, wo zuvor mehr als 21 Hektar verloren gegangen waren.
Wunderwirkung verspricht niemand. Ohne genug Sediment im Wasser bleibt die Konstruktion wirkungslos, und tieferes, wellenreicheres Wasser bringt weniger Erfolg. Fachleute mahnen, die Anlagen nur als Übergang zu sehen – bis ein echtes Mangrovenökosystem trägt – und Material auf Dauer zu prüfen, damit kein neuer Plastikmüll bleibt.
Trotzdem wächst das Interesse: Weitere Provinzen am Golf und am Andamanensee testen die Methode, Gespräche mit Indonesien laufen. Für Familien, deren Felder über Nacht weggespült werden, zählt vor allem eins: endlich eine Option, die schneller steht als die nächste Flut.
