Nach nur drei Tagen Pause hat Kiew die Angriffe auf russische Öl- und Kraftstoffanlagen wieder aufgenommen. Auslöser war nach ukrainischer Darstellung nicht nur anhaltender russischer Beschuss der eigenen Stromnetze, sondern auch der Eindruck, Washington wolle Kyjiw mit Druckmitteln an den Verhandlungstisch zwingen.
In der Region Rjasan, rund 300 Kilometer südöstlich von Moskau, brach laut Gouverneur Pavel Malkow ein Feuer in einer Raffinerie aus. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem „massiven“ Drohnenversuch gegen die Anlage. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte dem Financial Times zuvor signalisiert, die Selbstbeschränkung bei Raffinerie-Zielen sei beendet: „We’re done.“
Die kurze Zurückhaltung folgte auf eine von US-Präsident Donald Trump einseitig verkündete „Energie-Waffenruhe“. Trump hatte zuvor einen Diesel-Deal mit Russland angekündigt, ukrainische Schläge auf Ölziele kritisiert und sogar einen Führungswechsel in Kyjiw gefordert. Parallel dazu klagte die Ukraine über gedrosselte Starshield-Satellitenverbindungen und fehlende Vorwarnungen bei ballistischen Angriffen auf die Hauptstadt.
Ein ukrainischer Verteidigungsquellen-Kontakt sagte Medien, die militärische Starlink-Variante Starshield sei am Donnerstag zumindest teilweise wieder auf voller Leistung. Dennoch bleibt das Vertrauen belastet: Selenskyj sprach gegenüber Piers Morgan von einem Gefühl des Verrats. Elon Musk wiederum hatte öffentlich geschrieben, Entscheidungen über Starshield lägen beim US-Militär und letztlich bei Trump – und forderte Selenskyjs Abgang.
Europäische und ukrainische Beamte sehen in dem Zusammenspiel aus Diesel-Politik, Geheimdienst-Lücken und Satelliten-Drosselung den Versuch, Kyjiw vor dem Winter zu Zugeständnissen zu bewegen. Ob die neuen Raffinerie-Schläge den Druck auf Moskaus Treibstoffversorgung erneut spürbar erhöhen, hängt davon ab, wie lange die Ukraine die Angriffe ohne volle US-Unterstützungsinfrastruktur durchhalten kann.
