Mit Zahlen, auf die Taiwan stolz ist, ging Präsident Lai Ching-te am Samstag in seine Rede zum Nationalfeiertag: Die Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr um gut 14 Prozent, für das ganze Jahr erwartet die Regierung mehr als elf Prozent, den höchsten Wert seit 39 Jahren. Vor dem Präsidentenpalast in Taipeh kündigte er zudem ein monatliches Kindergeld von 5.000 Taiwan-Dollar für alle unter 18 Jahren an.

Den größeren Teil widmete Lai jedoch der Sicherheit. Sein Land suche keine Vorherrschaft, sagte er, wolle aber seine Freiheit nicht preisgeben und lasse sich nicht herabsetzen. Die Aufrüstung diene der Abschreckung, nicht der Provokation; sie solle Gespräche mit Peking auf Augenhöhe möglich machen.

Auffällig war, was fehlte: Die sonst übliche Formel, wonach keine Seite der Taiwanstraße der anderen untergeordnet sei, kam diesmal nicht vor. Stattdessen griff Lai ein Bild aus der Bergpredigt auf und sprach von einer „Stadt auf dem Berg“, die Taiwan mit Mut und Selbstvertrauen bauen müsse.

Die Gespräche zwischen den USA und China begrüßte er ausdrücklich, mahnte aber, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs dürfe nicht verdreht werden. Die Demokratien im Indopazifik sollten gemeinsam dafür sorgen, dass der Status quo erhalten bleibt.

Aus Washington kam Zustimmung: Ein hoher Regierungsvertreter lobte Lais Friedensbekenntnis und warnte Peking, eine Routinerede rechtfertige kein aggressives Vorgehen. China, das Taiwan als eigenes Territorium betrachtet und Lai als Separatisten bezeichnet, äußerte sich zunächst nicht.

Ob Manöver folgen, bleibt abzuwarten. 2024 reagierte Peking auf Lais erste Feiertagsrede mit großen Militärübungen, 2025 blieb es ruhig. Zuletzt übte die Volksbefreiungsarmee im Dezember, nachdem ein US-Rüstungspaket über elf Milliarden Dollar bekannt geworden war. Ein zweites über 14 Milliarden Dollar hat Präsident Trump noch nicht freigegeben.

Lai erinnerte auch daran, dass Taiwan in diesem Jahr 30 Jahre direkte Präsidentenwahl feiert. Ende des Jahres stehen Kommunalwahlen an, und Lai rief die Parteien auf, trotz aller Gegensätze zusammenzustehen.

samweber.si

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