Drei Tage nach einer schweren Lungenoperation hat Papst Leo XIV. zum Telefon gegriffen – und Wladimir Putin angerufen. Bei dem Gespräch am Freitag ging es um Oleschky, eine Kleinstadt im russisch besetzten Teil der südukrainischen Region Cherson, deren Bewohner seit Wochen zwischen den Fronten festsitzen.

Die Stadt liegt am linken Ufer des Dnipro und damit direkt an der Kampflinie. Nach Angaben von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin harren dort noch etwa 2000 Zivilisten aus, die auf sichere Fluchtwege angewiesen sind. Moskau und Kiew geben sich gegenseitig die Schuld daran, dass kaum Hilfsgüter ankommen; ukrainische Truppen versuchen, den Ort zurückzuerobern.

Laut dem knappen Kommuniqué des Vatikans zeigte sich der Papst tief besorgt und warb für eine Waffenruhe. Diese solle Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen ermöglichen und allen, die gehen wollen, einen freiwilligen und gefahrlosen Abzug. Zugleich bekräftigte Leo, der Heilige Stuhl setze weiter auf Dialog und Frieden.

Der Kreml schlug versöhnliche Töne an. Putin unterstütze das Anliegen des Vatikans, die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten und die Versorgung zu organisieren, hieß es aus Moskau. Man habe vereinbart, in der Frage zusammenzuarbeiten. Ob und wann die Waffen tatsächlich schweigen, blieb offen.

Parolin betonte, der Anstoß sei vom Papst selbst gekommen. Dass Putin das Gespräch angenommen habe, wertete der Kardinal als Hoffnungszeichen.

Leo liegt seit Dienstag in der römischen Gemelli-Klinik, wo ihm der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt wurde. Mit Putin hatte er zuvor nur ein einziges Mal telefoniert, im Juni 2025. Dass der Papst sich trotz Krankenhausaufenthalt persönlich einschaltet, unterstreicht, wie dringlich der Vatikan die Lage in Oleschky einschätzt. Wie eine Feuerpause konkret organisiert werden könnte und wer die Hilfslieferungen übernimmt, ließen beide Seiten offen. Für die Eingeschlossenen bleibt damit vorerst ungewiss, wann sich ihre Lage bessert.

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