Im Dreiländereck von Argentinien, Paraguay und Uruguay steigen die Pegel seit Tagen. Schuld sind heftige Regenfälle, die Meteorologen mit dem derzeit außergewöhnlich starken Klimaphänomen El Niño in Verbindung bringen. Betroffen sind vor allem die Flüsse Paraná, Uruguay und Iguazú, die alle im Süden Brasiliens entspringen.
Am härtesten trifft es bislang Paraguay. In der Grenzstadt Ayolas mussten mehr als 2000 Menschen ihre Häuser verlassen, wie Bürgermeister Carlos Duarte im Radio sagte. Einen so hohen Wasserstand habe es dort seit über 40 Jahren nicht gegeben – und ein Ende sei nicht in Sicht.
Gegenüber, im argentinischen Ituzaingó in der Provinz Corrientes, kletterte der Paraná am Donnerstag auf 4,70 Meter. Auch dort wurden Bewohner in Sicherheit gebracht. Neben Corrientes melden die Provinzen Chaco, Misiones und Entre Ríos Überschwemmungen. Viehzüchter treiben ihre Herden durch überflutete Weiden auf höher gelegenes Land; Zehntausende Rinder mussten umziehen. Die Behörden lassen Gräben ausheben, um für weiteren Regen gewappnet zu sein.
Selbst die Iguazú-Wasserfälle bleiben nicht verschont. Anfang der Woche schoss mehr als achtmal so viel Wasser wie üblich über die Kante, der Nationalpark war vorübergehend gesperrt. Inzwischen sind die meisten Wege wieder offen, der Steg zur spektakulären Teufelsschlucht aber nicht.
In Uruguay öffnet der gemeinsam mit Argentinien betriebene Staudamm Salto Grande nach und nach seine Schleusen, um den Druck vom Uruguay-Fluss zu nehmen. Das abgelassene Wasser überflutet flussabwärts tiefer gelegene Stadtteile; Dutzende Menschen sind ausquartiert. Auch auf brasilianischer Seite, rund um den riesigen Itaipú-Stausee an der Grenze zu Paraguay, wird das Wasser genau beobachtet; schon Anfang der Woche mussten in Ciudad del Este Familien ihre Häuser räumen.
Entwarnung gibt es nicht. Brasiliens Wetterdienst rechnet bis Dezember mit überdurchschnittlich viel Niederschlag im Quellgebiet der Flüsse, und Fachleute halten den laufenden El Niño für einen der stärksten seit Beginn der Messungen.
