Für die Menschen in Sankt Petersburg begann der Sonntag mit Explosionen. Gegen 2.50 Uhr Ortszeit meldeten ukrainische Beobachterkanäle einen massiven Drohnenschwarm über der Stadt an der Newa, die rund 850 Kilometer von der Ukraine entfernt liegt. Am Morgen zog Gouverneur Alexander Beglow eine erste Bilanz: ein Toter, fünf Verletzte, Feuer am Ölterminal im Hafen, im Tanklager Rutschji und in Lagerhallen im Bezirk Kolpino. Staatsmedien sprachen später von zehn Verletzten.

Das Terminal zählt zu den wichtigsten Umschlagplätzen für russische Ölprodukte, jährlich laufen dort etwa 12,5 Millionen Tonnen über Schiene, Straße und Wasser. Schon Anfang Juli war die Anlage getroffen worden. Der ukrainische Hersteller Fire Point erklärte, seine Langstreckendrohne FP-1 sei im Einsatz gewesen. Eine offizielle Stellungnahme aus Kiew gab es zunächst nicht.

Auffällig ist, dass diesmal auch die digitale Infrastruktur ins Visier geriet. Das soziale Netzwerk VK bestätigte einen Treffer auf ein regionales Rechenzentrum, beteuerte aber, alle Dienste seien erreichbar, obwohl zahlreiche Nutzer Störungen meldeten. Der Onlinehändler Ozon berichtete von einem Brand in seinem Logistikzentrum, die Belegschaft sei unverletzt in Sicherheit gebracht worden. Außerdem wurden zwölf Wohnblocks und zwei Häuser beschädigt, der Flughafen Pulkowo stellte den Betrieb vorübergehend ein.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht landesweit 1015 Drohnen abgeschossen, allein 127 über dem Leningrader Gebiet. Kremlsprecher Dmitri Peskow gab sich gelassen: Solche Angriffe könnten den „Lauf der Ereignisse“ nicht verändern. Klar ist aber, dass von der Energie-Waffenruhe, die Donald Trump vergangene Woche verkündet hatte, praktisch nichts übrig ist. Laut Wolodymyr Selenskyj hat Russland seither 76 Mal ukrainische Energieanlagen beschossen. Vor dem Winter nehmen beide Seiten Strom- und Treibstoffversorgung des Gegners immer heftiger unter Feuer.

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