Gesperrte Metrostationen, abgeschaltetes mobiles Internet, Gefängnisbusse an jeder Ecke: Indiens Hauptstadt glich am Samstag einer Festung. Die Behörden wollten eine Großdemonstration am Protestort Jantar Mantar verhindern – und nahmen dafür nach Berichten indischer Medien rund 3.500 Menschen in Gewahrsam. Mehr als 20.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.
Aufgerufen hatte die „Cockroach Janta Party“, eine satirisch benannte Jugendbewegung, die im Mai online entstand. Bekannt wurde sie mit Sitzblockaden und Hungerstreiks gegen durchgesickerte Prüfungsaufgaben; im Juli trat deswegen Indiens Bildungsminister zurück. Nun richtet sich ihr Zorn gegen den obersten Wahlleiter Gyanesh Kumar. Bei einer groß angelegten Überprüfung der Wählerverzeichnisse wurden bislang mehr als 130 Millionen Namen gestrichen. Die Opposition spricht von massenhafter Entrechtung, die vor allem ihre Anhänger treffe. Wahlkommission und Regierung entgegnen, man entferne lediglich doppelte und unzulässige Einträge.
Die Köpfe der Bewegung kamen gar nicht erst bis zur Kundgebung. Gründer Abhijeet Dipke und zwei Mitstreiter wurden nach der Landung eines Flugs aus Mumbai noch an Bord abgeführt. Auf einem Video sagt Dipke den Beamten, er habe keine Angst vor ihnen. Auch prominente Oppositionelle wie Arvind Kejriwal, der Aktivist Yogendra Yadav und der regierungskritische YouTuber Dhruv Rathee landeten in Polizeigewahrsam. Die Polizei begründete das Verbot damit, der Antrag sei zu spät eingereicht worden.
Ein Sprecher der Regierungspartei BJP tat die Demonstranten als „anarchische Elemente“ ab. Amnesty International forderte dagegen die sofortige Freilassung aller, die lediglich ihr Versammlungsrecht wahrnehmen wollten.
Für Premierminister Narendra Modi kommt der Unmut zur Unzeit: Zwar steht die nächste Parlamentswahl erst 2029 an, doch 2027 wird in Uttar Pradesh und Gujarat gewählt – zwei Hochburgen seiner Partei.
