Ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen am 10. Oktober 2025 zieht Human Rights Watch eine ernüchternde Bilanz. In einer zum Jahrestag veröffentlichten Erklärung heißt es, israelische Streitkräfte würden weiterhin Zivilisten töten und verletzen und den Menschen in Gaza ausreichend Nahrung, Hilfsgüter und Wasser vorenthalten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn der Waffenruhe mindestens 1.400 Palästinenser getötet und 4.881 verletzt. Damit steigt die Zahl der Toten seit Oktober 2023 auf mehr als 74.000, darunter über 21.000 Kinder. Human Rights Watch wirft Israel anhaltende schwere Verstöße vor, unter anderem Zwangsvertreibungen, auch während der Waffenruhe.

Die Waffenruhe ist Teil des umfassenden Plans zur Beendigung des Gaza-Konflikts. Ein sogenannter Friedensrat, gestützt auf die Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrats, soll prüfen, ob sich die Parteien an den Plan halten. Humanitäre Hilfe und die Wiederherstellung grundlegender ziviler Infrastruktur sind zentrale Bestandteile. Doch ein Jahr später liegen die Hilfslieferungen weit unter dem Bedarf, wichtige Zugangswege wurden wiederholt blockiert, und der Wiederaufbau hat nicht begonnen.

Die Aufgabe ist gewaltig: Europäische Union und Vereinte Nationen schätzen den Bedarf für Erholung und Wiederaufbau in Gaza auf 71,4 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren. Am 23. September stellte der Friedensrat ein sechsmonatiges Wiederaufbauprogramm vor, das starten soll, sobald Finanzierung und Zugang es erlauben. Bislang hat jedoch keine Wiederaufbauarbeit begonnen.

Human Rights Watch fordert andere Staaten auf, sofort Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen und einen an Menschenrechten orientierten Wiederaufbau sicherzustellen. Die Organisation appelliert an die internationale Gemeinschaft, Pläne für Zwangsumsiedlungen klar zurückzuweisen. Der Jahrestag fällt in eine Phase anhaltender Spannungen in der Region, mit fortgesetzten israelischen Angriffen im Libanon und in Syrien.

Quellen: Human Rights Watch, Al Jazeera (10. Oktober 2026)

samweber.si

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