Vor der Küste Dschibutis hat sich eine der schwersten Tragödien auf der sogenannten Ostroute ereignet. Mindestens 139 Menschen sind ums Leben gekommen, als in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein völlig überladenes Boot kenterte. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Sonntag in Genf mit. 84 Menschen gelten noch als vermisst. Ursprünglich hatte die UN-Organisation 109 Tote gemeldet, dann wurden 30 weitere Leichen geborgen.
An Bord waren 305 Menschen, die von Dschibuti aus über die Meerenge Bab al-Mandab in den Jemen übersetzen wollten. Das Boot sank nahe dem Ort Guehere nördlich der Hafenstadt Obock, kurz nach dem Ablegen und dicht vor dem Ufer. Rund 80 Menschen überlebten, alle stammen aus Äthiopien. Unter den zuerst identifizierten Opfern waren 15 Kinder.
Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand genau. Die offizielle Zahl umfasse nur die von den Behörden bestatteten Toten, sagte IOM-Missionschef Alexandre Coissac. Andere Opfer hätten Mitreisende selbst begraben, ohne Namen und in einem Sammelgrab, „wie im Krieg“. Die örtlichen Kräfte seien mit den vielen angespülten Leichen überfordert gewesen. Die Überlebenden werden im IOM-Zentrum in Obock medizinisch und psychologisch betreut. Viele stünden unter Schock, so Coissac.
Die Route über den Golf von Aden gilt als eine der gefährlichsten der Welt. Jedes Jahr wagen Zehntausende Menschen vom Horn von Afrika die Überfahrt, die meisten wollen weiter nach Saudi-Arabien und in andere Golfstaaten, um dort Arbeit zu finden. Im vergangenen Jahr starben oder verschwanden dabei mehr als 900 Menschen. Daran ändert auch der neu entflammte Krieg im Jemen nichts.
IOM-Generaldirektorin Amy Pope forderte sichere und legale Wege für Migranten. Niemand steige in ein solches Boot, wenn er eine sichere Alternative sehe, sagte sie und rief Regierungen und Geldgeber zum Handeln auf.
