Ein breiter Schwanz wie ein Otter, Hinterbeine wie ein Schnabeltier und Zähne wie eine Robbe: Das Tier, das Forschende jetzt im Fachjournal Nature vorstellen, wirkt wie aus mehreren Bausätzen zusammengesetzt. Spannend ist an Megacauda sungei aber vor allem der Hals. Das rund 165 Millionen Jahre alte Fossil aus der Inneren Mongolei in China liefert Hinweise darauf, dass die Fähigkeit zum Saugen und kontrollierten Schlucken viel älter ist als die heutigen Säugetiere.
Megacauda gehörte zu den Docodonten, einer ausgestorbenen Gruppe naher Verwandter der Säuger, die zur Zeit der Dinosaurier lebte. Mit 40 bis 50 Zentimetern Länge und ein bis zwei Kilogramm Gewicht ist es der größte bekannte Vertreter dieser Säugetier-Vorläufer aus dem Jura. Das Team um den Paläontologen Zhe-Xi Luo von der University of Chicago vermutet, dass das Tier an Land in Bauen lebte und im Süßwasser nach Fischen, Salamandern und Wirbellosen jagte.
Die eigentliche Überraschung steckt in winzigen Knochen. Weil die Muskeln von Rachen und Gaumen kaum versteinern, war lange unklar, wann sich dieser Apparat entwickelte. Bei Megacauda blieben jedoch die Zungenbeinknochen und zwei kleine Fortsätze am Gaumendach erhalten, wie man sie sonst von Beuteltieren und Plazentatieren kennt. Sie dienen dort als Anker für die Muskulatur, die Säuglingen das Trinken von Milch erlaubt und Erwachsenen das Schlucken einzelner Bissen. Die Anordnung ähnle der eines heutigen Opossums, erläutert Mitautor Peishu Li von der Ohio University.
Untersucht wurde das Fossil mit hochauflösender Computertomografie. Dafür musste die große Gesteinsplatte in Stücke geteilt werden. Für die Forschenden bestätigt der Fund, dass entscheidende Bausteine der Säugetier-Biologie, darunter das Stillen des Nachwuchses, schon im mittleren Jura angelegt waren. Effizientes Schlucken gilt zudem als Voraussetzung dafür, dass sich Säugetiere später auf so unterschiedliche Nahrung spezialisieren konnten.
