Zum zweiten Mal binnen einer Woche ist vor der bulgarischen Schwarzmeerküste ein Handelsschiff nach einem Drohnenangriff untergegangen. In der Nacht auf Dienstag erwischte es gleich zwei Frachter in der ausschließlichen Wirtschaftszone des NATO-Landes. Während die Besatzung des einen vollständig in Sicherheit gebracht wurde, fehlt von elf Seeleuten des anderen bislang jede Spur.

Gesunken ist nach Angaben aus Sofia die Azov Concord. Sie gehört einem türkischen Unternehmen, fuhr unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen und wurde etwa 17 Seemeilen vor dem Dorf Krapets im äußersten Nordosten getroffen. Retter konnten lediglich einen Mann bergen.

Glimpflicher ging es für die Chelsea 3 aus. Das in Odessa registrierte Schiff eines ukrainischen Eigners, unterwegs unter maltesischer Flagge, setzte gegen 1.30 Uhr Ortszeit östlich des Küstenstädtchens Bjala einen Notruf ab. Laut Besatzung schlugen drei Drohnen ein. Die Grenzpolizei holte alle 15 Männer von Bord – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner. Fünf von ihnen wurden wegen leichter Blessuren versorgt, der beschädigte Frachter liegt inzwischen im Hafen von Warna.

Ministerpräsident Rumen Radew nannte den Vorfall „absolut inakzeptabel“. Wer die Drohnen gestartet hat, ist offiziell ungeklärt; eindeutige Belege gebe es nicht, räumte Radew ein. Die Logik spreche aber dafür, dass das Ergebnis Moskau nütze. Er bestellte deshalb Botschafterin Eleonora Mitrofanowa ein, rief den Sicherheitsrat seines Kabinetts zusammen und kündigte ein Telefonat mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte an. Sofia bittet die Partner zudem um Hilfe bei der Überwachung von Luftraum und Seegebiet.

Scharfe Kritik kam auch aus Brüssel und Kiew. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht im Schwarzen Meer eine weitere Front des russischen Krieges, der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf dem Kreml vor, Hunger als Waffe einzusetzen.

Zum Hintergrund: Weil russische Angriffe die ukrainischen Seehäfen schwer beschädigen, läuft der Getreideexport zunehmend über Donau-Häfen und küstennahe Routen entlang Rumäniens und Bulgariens. Erst am 6. Oktober war in derselben Zone die Alfa Watan nach Drohnentreffern gesunken – ihre zehn Besatzungsmitglieder gelten seither als verschollen.

samweber.si

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