Gut zwei Wochen nach dem nächtlichen Großeinsatz am Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford hat die britische Regierung erstmals unmissverständlich Stellung bezogen. Premierminister Andy Burnham erklärte am Montag im Unterhaus, der mutmaßliche Anschlagsplan sei mit hoher Wahrscheinlichkeit in Iran koordiniert und „fast sicher“ von den Revolutionsgarden (IRGC) gesteuert worden.

Was genau geplant war, bleibt dennoch rätselhaft. In der Nacht zum 27. September hatte die Polizei nahe dem Gelände in Gloucestershire fünf Männer aus London festgenommen, allesamt Briten in ihren Zwanzigern. In drei Lieferwagen stießen Ermittler auf Benzin, nicht aber auf Sprengstoff. Die Verdächtigen kamen unter strengen Auflagen auf Kaution frei. Auch zwei später Festgenommene, darunter ein britisch-iranischer Doppelstaatler, sind wieder auf freiem Fuß. Anklage wurde bislang gegen niemanden erhoben.

Der Stützpunkt rund 160 Kilometer westlich von London ist der wichtigste europäische Standort für schwere US-Bomber und diente im Krieg gegen Iran als Drehscheibe. Eine Woche nach dem Vorfall verlegten die Amerikaner zwölf B-1-Maschinen ab, offenbar aus Furcht vor einem Drohnenangriff. Britische Stellen trauen Teheran eine derart komplexe Attacke allerdings gar nicht zu; manche Fachleute vermuten eher eine Machtdemonstration.

Folgen hat die Einschätzung trotzdem. Außenminister Ed Miliband ließ den iranischen Botschafter einbestellen und verhängte Kontensperren, Einreise- und Geschäftsführerverbote gegen zwei Männer: Ruhollah Bazghandi, Leiter der Spionageabwehr der Revolutionsgarden, und Shahram Ali Reza Tamarzadeh Jakki, der als Helfer des bereits sanktionierten kriminellen Zindashti-Netzwerks gilt. Burnham stellte weitere Strafmaßnahmen in Aussicht. Parallel verurteilten 29 Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und die USA, in einer gemeinsamen Erklärung Irans Mordkomplotte, Brandstiftungen, Sabotage und Cyberangriffe im Ausland.

Teheran weist jede Beteiligung entschieden zurück und warnt vor Stimmungsmache gegen das Land. Botschafter Ali Mousavi forderte London auf, Beweise vorzulegen, und bot zugleich an, die Ermittlungen zu unterstützen.

samweber.si

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert