Was am 11. Oktober über das Tal des Budhi Gandaki im nepalesischen Distrikt Gorkha hereinbrach, war kein einzelner Erdrutsch, sondern eine Kettenreaktion. Zu diesem Ergebnis kommt ein technischer Bericht, den die nationale Katastrophenschutzbehörde NDRRMA vorgelegt hat. Das Amt für Bergbau und Geologie schätzt darin, dass der Abgang so viel Energie freisetzte wie ein Erdbeben der Magnitude 3,5.

Gegen 4.20 Uhr morgens löste sich zwischen Chamar Himal und Syerangi Himal, nahe der Grenze zu China, in etwa 6.000 Metern Höhe eine Lawine. Sie riss bei rund 5.500 Metern einen gewaltigen Hang mit sich. Das Gemisch aus Schnee, Wasser und Gletscherschutt schoss den Seitenfluss Ungilung Khola hinab und verkeilte sich auf etwa 2.000 Metern an der engen Mündung in den Syar Khola. Dahinter staute sich das Wasser auf rund anderthalb Kilometern – und die Sperre brach mehrmals. Deshalb erlebten die Menschen flussabwärts gleich mehrere Flutwellen an einem einzigen Tag.

Die erste Schlammwelle erreichte Salleri gegen 4.30 Uhr. Die größte folgte zwei Stunden später: 20 bis 25 Meter hoch, riss sie das Lager des im Bau befindlichen 341-Megawatt-Wasserkraftwerks Budhi Gandaki fort. In Jagat wurden Häuser beschädigt, Brücken über Soti Khola und Budhi Gandaki zerstört. Der hohe Lehmanteil machte die Masse zu einem zähen, langsamen, aber zerstörerischen Schlammstrom.

Mindestens fünf Menschen, die in einem Schafpferch übernachtet hatten, gelten als vermisst. Wasserkraftanlagen, Straßen und Brücken sind verloren; die Armee hat nach eigenen Angaben 186 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter 31 Ausländer.

Für Nepal ist es die zweite große Bergflut binnen sieben Wochen. Ende August hatten Überschwemmungen an Bhote Koshi und Trishuli fast 1.500 Menschen getötet, mehr als 5.000 werden noch vermisst. Das Bergforschungszentrum ICIMOD warnt vor weiteren Risiken entlang der Flusssysteme bis hinunter zum Narayani.

samweber.si

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