Geschlossene Schulen, abgesagte Arzttermine, ein leeres Parlament: Die Republik Irland erlebt an diesem Mittwoch den größten Arbeitskampf seit fast zwei Jahrzehnten. Mehr als 300.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes – von Lehrkräften und Pflegekräften über Ärzte bis zu Verwaltungsangestellten – sind für 24 Stunden in den Ausstand getreten. Bereits zuvor hatten die Gewerkschaften mit einem „Work to Rule“ Druck gemacht.
Der Kern des Konflikts ist schnell erzählt. Die letzte Tarifvereinbarung für den Staatsdienst lief Ende Juni aus, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaften, allen voran Fórsa und Siptu sowie die Lehrer- und Pflegeverbände, verlangen, dass über Geld zuerst verhandelt wird und nicht erst am Schluss. Im Haushalt für 2027 hat die Regierung 1,2 Milliarden Euro für einen neuen Abschluss eingeplant. An den Streikposten hält man das für viel zu wenig angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten; mancher Beschäftigte berichtete, die Hälfte des Gehalts gehe allein für die Miete drauf.
Die Folgen waren landesweit zu spüren. Die meisten Schulen, Hochschulen und Universitäten blieben zu, das Gesundheitswesen HSE sagte Tausende nicht dringende Behandlungen ab. Notaufnahmen, Krebstherapien und Dialyse liefen weiter, Hausärzte und Apotheken waren erreichbar. Fast alle Gerichtsverhandlungen fielen aus, Dáil und Seanad tagten nicht, Leinster House war geschlossen. Auch Fahrprüfungen, Bibliotheken und die meisten staatlichen Kulturstätten waren betroffen. Polizei und Armee dürfen per Gesetz nicht streiken, Busse und Bahnen fuhren weitgehend normal – allerdings wiesen Fahrer darauf hin, keine Streikposten zu passieren.
Im Laufe des Tages wurde der Ton versöhnlicher. Fórsa-Generalsekretär Kevin Callinan forderte Premier Micheál Martin auf, einen „ehrlichen Makler“ einzusetzen, hielt einen Weg zur Einigung aber für möglich. Ausgabenminister Jack Chambers hatte zuvor signalisiert, Gespräche könnten durchaus mit dem Thema Bezahlung beginnen. Martin lobte die Haltung der Gewerkschaftsführer.
Ohne Durchbruch droht am 21. Oktober der nächste Streiktag. Sinn-Féin-Chefin Mary Lou McDonald warf der Regierung ein respektloses Pokerspiel auf dem Rücken der Beschäftigten vor.
