Im Krieg um die Straße von Hormus hat die Handelsschifffahrt ein weiteres Opfer zu beklagen. Die unter Singapurs Flagge fahrende GFS Pride ist gesunken, nachdem sie nach Angaben der Hafenbehörde des Stadtstaats von einem nicht identifizierten Geschoss getroffen worden war und Feuer gefangen hatte. Die gute Nachricht: Alle 21 Seeleute wurden in Sicherheit gebracht, Verletzte gab es keine. Für die Region ist der Untergang dennoch ein Alarmsignal, denn er zeigt, wie verwundbar selbst große Frachter in der Meerenge geworden sind.
Wer das Schiff versenkt hat, ist umstritten. Irans Revolutionsgarden behaupteten, ein Frachter mit mehr als 2.500 Containern sei auf einer „nicht genehmigten“ Route auf eine Seemine gelaufen und anschließend explodiert. Unabhängig belegt ist das nicht. Die Sicherheitsfirma Marisks fand keine Hinweise auf eine Mine und wertet die iranische Darstellung als Teil einer Kampagne psychologischer Kriegsführung, die Reedereien abschrecken soll. Singapur sprach von einem völkerrechtswidrigen Angriff.
Laut einer pakistanischen Navigationswarnung liegt das Wrack einige Seemeilen vor der omanischen Halbinsel Musandam; Container treiben im Wasser. Fast zeitgleich wurde ein Schwesterschiff, die GFS Giselle, am Rumpf beschädigt, erreichte aber mit unverletzter Crew einen sicheren Ankerplatz. Nach Zählung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation ist die GFS Pride erst das dritte Handelsschiff, das seit Kriegsbeginn im Februar sank.
Hintergrund ist Teherans Versuch, die Kontrolle über die Meerenge zurückzugewinnen. Seit dem Scheitern einer vorläufigen Waffenruhe im Sommer greift Iran gezielt Schiffe an, die eine südliche Ausweichroute durch omanische Gewässer nehmen. Allein im Oktober wurden über 20 Schiffe attackiert, überwiegend Tanker.
Die Folgen sind auf dem Ölmarkt messbar. Nachdem die US-Marine Tanker eskortierte, hatten sich die Rohölexporte durch Hormus im September fast normalisiert. Inzwischen liegen sie laut dem Datendienst Kpler wieder knapp 40 Prozent unter Vorkriegsniveau. Jedes weitere Wrack macht die Passage für Versicherer und Reeder teurer und das Nadelöhr für die Weltwirtschaft enger.
