Über Palembang und Umgebung kreisten am 15. Oktober Flugzeuge und streuten Pellets aus Trockeneis – festes Kohlendioxid – in die untere Atmosphäre. Indonesien testet damit eine Methode, die Smog nicht durch Regen, sondern durch Aufbrechen einer Temperaturinversion vertreiben soll. Koordinierungsminister Dudung Abdurachman sprach von rund 1,5 Tonnen Material und von der Hoffnung, Sichtweiten deutlich zu verbessern.
Anders als die übliche Wolkenimpfung mit Silberjodid soll das Trockeneis kühle, rauchhaltige Luftschichten stören, damit der Qualm aufsteigen und sich verteilen kann. Meteorologen erinnern daran, dass der Ansatz auf Experimente der 1940er-Jahre zurückgeht; ob er tropischen Waldbrandrauch zuverlässig lichtet, sei noch unbewiesen. Bei Erfolg will Jakarta die Technik auch in Zentral-Kalimantan einsetzen.
Die Inselkette erlebt die schwerste Brandsaison seit Jahren. Ein starkes El Niño hat Dürre und Torffeuer verstärkt; unabhängige Monitorings sprechen von weit über einer Million Hotspots und Hunderttausenden verbrannten Hektar. Rauch zieht bis nach Singapur und Malaysia, wo Schulen geschlossen und eigene Impfflüge gestartet wurden.
Am Boden kämpfen Feuerwehr und Hubschrauber weiter gegen die Flammen, oft behindert durch schlechte Sicht. Präsident Prabowo Subianto drängt Behörden, Löschung und Luftreinhaltung zu beschleunigen. Parallel laufen klassische Wettermodifikationen, die Regen auslösen sollen – Trockeneis und Wolkenimpfung sollen sich ergänzen.
Für Anwohner in Sumatra und Kalimantan bleibt der Himmel oft bernsteinfarben. Ob ein einmaliger Versuch über Palembang die Städte atembar macht, entscheidet die Auswertung der nächsten Tage – und ob die Brände überhaupt nachlassen. Experten mahnen zugleich, dass nur Löschen und Landnutzungsregeln den Smog dauerhaft beenden – Technik am Himmel kann höchstens Zeit kaufen.
