Istanbul erlebt nach Angaben von Gouverneur Davut Gül den heftigsten Niederschlag seit 84 Jahren. Zwei Menschen starben: Ein 14-jähriger Junge erlitt in Balat im Stadtteil Fatih einen Stromschlag, als er in eine Pfütze trat; ein 34-jähriger Mann stürzte beim Überqueren einer Straße und schlug mit dem Kopf auf. Ermittlungen zur Todesursache des Jugendlichen laufen.

Behörden zählten 1.277 Überflutungsfälle und 15 Erdrutsche. Mehr als 800 Wohnungen, rund 280 Geschäfte und 76 Fahrzeuge waren betroffen. Stellvertretender Bürgermeister Nuri Aslan sprach von 595 evakuierten Personen; über 8.000 Einsatzkräfte und rund 2.000 Fahrzeuge und Baumaschinen seien im Einsatz. In manchen Vierteln sei binnen Stunden so viel Regen gefallen wie sonst in einem Siebtel des Jahres.

Im Beykoz-Ortsteil Ömerli wurden fast 194 Millimeter gemessen; anderswo fielen in zwölf Stunden nahe 100 Millimeter. Wasser drang in zwei Krankenhäuser und in die Metrostation Hacıosman ein, Straßenabschnitte in Eyüpsultan und Gaziosmanpaşa brachen ein, in Sultangazi stürzte die Stützmauer einer Grundschule – Schülerinnen und Schüler blieben unverletzt.

Gül bat die Bevölkerung, nur bei zwingendem Anlass das Haus zu verlassen, Kellern und Bachbetten fernzubleiben und Motorräder vorerst stehen zu lassen. Schulen bleiben Donnerstag und Freitag geschlossen; für bestimmte Beschäftigte im öffentlichen Dienst gilt Freistellung. Der Metrobetrieb wurde bis 2 Uhr verlängert, damit weniger Privatwagen unterwegs sind.

Rund 16 Millionen Menschen leben in der Metropolregion. Das Innenministerium warnte zugleich vor plötzlichen Sturzfluten in mehreren Provinzen. Für eine Stadt, die ohnehin mit dichter Bebauung und engen Unterführungen kämpft, zeigt der Rekordregen, wie schnell Alltag und Verkehr zusammenbrechen können – und wie gefährlich stehendes Wasser an beschädigten Leitungen wird.

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