Am französischen Eingang des Ärmelkanaltunnels hat ein ungewöhnlicher Unfall 19 Verletzte gefordert. Ein Kleinbus prallte am Donnerstagabend auf dem Verladeterminal in Coquelles bei Calais gegen einen abfahrenden Shuttlezug vom Typ LeShuttle, der Autos und Lastwagen unter dem Meer nach England bringt.
In dem Fahrzeug saßen Lkw-Fahrer, die zwischen dem Begleitwagen des Shuttles und ihren Lastwagen hin- und hergebracht werden. Nach Angaben des Betreibers Getlink kam der Bus aus bislang ungeklärten Gründen von seiner Fahrspur ab und krachte in die Flanke des Zuges. Umgekippt ist er nicht. Der Alarm ging um 19.27 Uhr ein.
Zwei Menschen wurden schwer verletzt, darunter der Fahrer, ein Mitarbeiter des Tunnelbetreibers. Ein Rettungshubschrauber flog beide in die Uniklinik von Lille. Die übrigen 17 Betroffenen – ausschließlich Männer verschiedener Nationalitäten – kamen mit leichteren Blessuren in umliegende Krankenhäuser. Lebensgefahr besteht laut Präfektur bei niemandem. Die zuständigen Konsulate wurden benachrichtigt. Die Unterpräfektin von Calais, Agathe Cury, machte sich noch am Abend selbst ein Bild von der Lage am Terminal.
Rund 200 Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter Feuerwehr, Notärzte, Polizei und etwa 100 Beschäftigte von Eurotunnel. Auch ein Team zur psychologischen Betreuung wurde aktiviert. Der Shuttle-Verkehr für Autos stand etwa anderthalb Stunden still. Die Eurostar-Züge zwischen London und dem Kontinent sowie der Güterverkehr fuhren dagegen ohne Unterbrechung.
Getlink-Betriebsdirektor Jérôme Studer betonte am Freitag, der Busfahrer sei erfahren und seit mehreren Jahren im Unternehmen. Einen vergleichbaren Zwischenfall habe es in 32 Jahren Tunnelbetrieb noch nie gegeben. Neben einer internen Untersuchung ermittelt die Staatsanwaltschaft Boulogne-sur-Mer wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der 1994 eröffnete Tunnel zählt zu den wichtigsten Verkehrsadern zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland.
