Der Kremlchef legt sich fest: Russland will entlang der Grenze einen Streifen ukrainischen Bodens dauerhaft kontrollieren – und darüber soll in künftigen Friedensgesprächen gar nicht erst geredet werden. Das kündigte Wladimir Putin am Freitag bei einem Besuch in einem militärischen Gefechtsstand an, ungewohnt in Uniform.
Konkrete Zahlen lieferte anschließend sein Sprecher Dmitri Peskow. Demnach ist die geplante Zone 660 Kilometer lang, gemessen an der Staatsgrenze. Auf 465 Kilometern, also rund 70 Prozent, stünden bereits russische Truppen. Wie tief sich der Gürtel ins Nachbarland ziehen soll, verriet Peskow nicht.
Bisher hatte Putin nur vage von einer solchen Sicherheitszone gesprochen. Neu sind nun die Ausdehnung und die Ansage, das Thema aus jeder Verhandlung herauszuhalten. Begründet wird das Vorhaben mit dem ukrainischen Vorstoß in die russische Region Kursk in den Jahren 2024 und 2025. Betroffen wären Teile der Gebiete Sumy und Charkiw – Regionen, die Moskau bislang nicht offiziell für sich beansprucht hat.
Nach Putins Darstellung fehlen seiner Armee in der Region Donezk nur noch gut zehn Prozent, in Saporischschja etwa 16,5 Prozent. Zugleich räumte er ein, die eigene Luftabwehr müsse noch besser werden.
Die Botschaft fällt in eine heikle diplomatische Phase. Ein Abkommen, mit dem die USA russischen Diesel kaufen wollen, hat das Verhältnis zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj zusätzlich belastet. Selenskyj warb beim EU-Gipfel in Brüssel um weitere 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr und nannte Moskaus Gesprächsangebote eine „Parodie“. Die Kosten des Krieges für sein Land im kommenden Jahr bezifferte er auf 155 Milliarden Euro. Außerdem beklagte er, dass die militärisch genutzte Satellitenverbindung von SpaceX noch immer nicht wieder voll funktioniere. Wie hoch der Preis für die Zivilbevölkerung ist, zeigt ein neuer UN-Bericht: Allein im September kamen in der Ukraine mindestens 328 Zivilisten ums Leben, 85 Prozent mehr Opfer als ein Jahr zuvor. Unterdessen gingen die Angriffe weiter: Nach ukrainischen Angaben starben am Freitag mindestens acht Menschen, mehr als eine Million Menschen saßen zeitweise ohne Strom da.
