Im Norden und Osten der Republik Moldau sind binnen kurzer Zeit gleich mehrere unbemannte Flugkörper vom Himmel gefallen. Die Regierung in Chisinau macht Russland verantwortlich: Fünf Drohnen, die die Behörden als russisch einstufen, seien zwischen Donnerstag und Freitag in einem Zeitraum von gut 17 Stunden auf moldauischem Boden abgestürzt. Ein Mensch wurde leicht verletzt, die Schäden blieben gering.
Eine der Drohnen detonierte auf einem Acker bei Codrenii Noi im Bezirk Donduseni, abseits der Häuser. Weitere Überflüge meldeten die Behörden aus den Bezirken Stefan Voda und Ocnita sowie entlang des Dnister. Insgesamt zählte das Außenministerium für den 15. und 16. Oktober sechs unerlaubte Einflüge.
Das Ministerium sprach von einer „schweren Verletzung“ der Souveränität des Landes und forderte Moskau auf, die Angriffe auf die Ukraine einzustellen. Schon bei früheren Vorfällen war der russische Botschafter Oleg Osjorow einbestellt worden. Präsidentin Maia Sandu verweigert ihm seit über zwei Jahren die Akkreditierung.
Für das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine sind solche Meldungen fast Alltag geworden. Seit Jahresbeginn registrierten die Behörden 63 Verletzungen des Luftraums, davon 15 allein im Oktober; seit 2022 sind es rund 100. Erst vor einer Woche ging eine Drohne etwa 35 Kilometer von der Hauptstadt entfernt nieder.
Wie verwundbar das Land ist, wird in Chisinau offen diskutiert. Der Parlamentspräsident mahnte zuletzt, die Republik müsse ihre Luftabwehr ausbauen und die Voraussetzungen für eine eigene Drohnenproduktion schaffen. Die Regierung betont zugleich, sie wolle trotz knapper Kassen in die Armee investieren. Das Verteidigungsministerium appelliert an die Bevölkerung, gefundene Trümmer keinesfalls anzufassen und sofort den Notruf 112 zu wählen. Politisch verhärten sich die Fronten weiter: Die proeuropäische Regierung will bis 2030 in die EU, der Kreml dagegen knüpft bessere Beziehungen an die Bedingung, dass Sandu von ihrer angeblich „russophoben“ Politik abrückt.
