Im All bahnt sich ein Manöver an, das westliche Militärs nervös macht. Der russische Satellit Kosmos 2612 hat sich bis auf wenige Kilometer an ICEYE-X36 herangeschoben – einen in den USA registrierten Radarsatelliten des ursprünglich finnischen Unternehmens ICEYE. Die Firma liefert Aufklärungsbilder auch an das ukrainische Verteidigungsministerium.
Nach Angaben des Ortungsdienstes LeoLabs lagen am Donnerstag noch mehr als 320 Kilometer zwischen beiden Objekten, am Freitagnachmittag nur noch rund fünf. LeoLabs sprach von einer offenbar gezielten Annäherung; die Absicht sei unklar, die Lage müsse aber beobachtet werden. Eine unabhängige Tracking-Seite errechnete für Sonntag gegen 12.30 Uhr deutscher Zeit einen Mindestabstand von etwa 21 Metern in rund 550 Kilometern Höhe. Solche Werte gelten allerdings als grob und sind keine Kollisionsprognose.
Ungewöhnlich ist vor allem der Aufwand. Kosmos 2612 gehört zu sechs Satelliten, die Russland im April gestartet hat. Fünf davon kippten im Mai unter hohem Treibstoffverbrauch ihre Bahnebene, bis sie zu jener des ICEYE-Satelliten passte. So steht es in einer Analyse der Washingtoner Denkfabrik CSIS. Seit Ende September hat Kosmos 2612 mehrfach nachgesteuert und fliegt inzwischen fast auf gleicher Höhe.
Ein Juraprofessor aus Mississippi erklärte gegenüber Axios, Staaten hielten üblicherweise mindestens zehn Kilometer Distanz, damit gleichzeitige Kurskorrekturen nicht zu einem Zusammenstoß führen. CSIS-Experte Clayton Swope verglich die Lage mit Stoßstange an Stoßstange.
Russland hat schon früher Waffentests im Orbit vorgeführt; 2020 setzte Kosmos 2543 ein schnelles Objekt frei. Pentagon und ICEYE wollten sich nicht äußern, das ukrainische Militär wusste nach eigenen Angaben von den jüngsten Bewegungen nichts. Die CSIS-Autoren sehen das Manöver im Zusammenhang mit russischen Sabotage- und Störaktionen gegen westliche Ziele am Boden. Sie fordern, die USA und Europa sollten klarmachen, wie sie auf einen Angriff im All reagieren würden.
