Kein Motor, kein Treibstoff, nur Wind: Am Sonntag ist ein vierköpfiges Team um den spanischen Polarforscher Ramón Larramendi zu einer außergewöhnlichen Expedition aufgebrochen. Mit dem selbst konstruierten „Trineo de Viento“, einem von riesigen Lenkdrachen gezogenen Schlitten, wollen die Abenteurer rund 3400 Kilometer quer durch die Ostantarktis zurücklegen.
Zunächst geht es per Flugzeug nach Kapstadt, wo bereits mehr als eine Tonne Gepäck wartet, darunter gefriergetrocknete Verpflegung und Ersatzteile. Von dort fliegt die Gruppe zur russischen Station Nowolasarewskaja. Dort liegt der zerlegte Schlitten seit Februar 2019 unter dem Schnee vergraben. Ist er wieder montiert, führt die Route über den sogenannten Pol der Unzugänglichkeit auf etwa 3700 Metern Höhe und den Kältepol bei der Station Wostok bis zur französisch-italienischen Basis Concordia auf dem Dom C. Geplant sind 80 bis 85 Tage, die Rückkehr ist für Anfang Februar vorgesehen.
Das rund 15 Meter lange Gefährt orientiert sich an traditionellen Inuit-Schlitten, die Larramendi bei früheren Reisen in der Arktis kennengelernt hat. Bei gutem Wind schafft es bis zu 80 Stundenkilometer. Den Strom für die 250 Kilogramm schweren Messgeräte liefern Solarmodule, sodass die Durchquerung nach Angaben der Organisatoren komplett emissionsfrei abläuft.
An Bord sind 16 Forschungsprojekte, finanziert vom spanischen Wissenschaftsministerium. Virologen aus Madrid suchen in Luftproben nach neuen Erregern wie dem Vogelgrippevirus H5N1 und können die Proben direkt im Schlitten genetisch analysieren. Andere Teams untersuchen, wie Staub und Schadstoffe die Reflexion des Eises verändern. Eine Universität beobachtet zudem, wie die Crew mit der Kälte zurechtkommt – als Übung für künftige Missionen zu Mond und Mars. Zum Team gehören drei Spanier und ein polnischer Wissenschaftler der University of Maine.
Selbst für den erfahrenen Larramendi ist die Fahrt eine Premiere: So viel Ladung und so viel Zeit auf dem Eis habe man noch nie gehabt, sagt er.
