Viele Menschen in Zentralpanama verbringen die Nächte inzwischen lieber unter freiem Himmel als in ihren Häusern. Seit dem Erdbeben vom Freitag reißt die Kette der Nachbeben nicht ab, mehr als 200 wurden bereits gezählt, einige erreichten eine Stärke um 6. Die Regierung hat am Samstag landesweit den Notstand ausgerufen.
Das Hauptbeben mit einer Magnitude von 7,7 ereignete sich gegen Mittag in nur etwa zehn Kilometern Tiefe in der Provinz Herrera, kurz darauf folgte ein zweiter Stoß der Stärke 6,6. Die Erschütterungen waren bis ins Nachbarland Kolumbien zu spüren. In Panama-Stadt, mehr als 200 Kilometer entfernt, flüchteten Bewohner aus den Hochhäusern auf die Straße.
Am schwersten traf es die Provinzen Veraguas, Herrera, Coclé und Los Santos. Nach Angaben der Behörden sind fast 900 Wohnhäuser und rund 420 Schulen beschädigt, außerdem Kirchen, Hotels und mindestens 14 Brücken. Mehrere Dörfer sind wegen Erdrutschen und zerstörter Straßen von der Außenwelt abgeschnitten. In La Villa de Los Santos stürzte eine historische Kirche ein. 27 Menschen wurden verletzt, Todesopfer gab es nach bisherigem Stand nicht.
Dass es so glimpflich ablief, könnte an Panamas strengen Bauvorschriften liegen, meint der Seismologe Carlos Valdés von der Nationalen Autonomen Universität Mexikos. Starke Beben sind in dem Land ungewöhnlich, sie treten sonst eher im Westen an der Grenze zu Costa Rica auf. Ein 90-jähriger Bewohner sagte, so etwas habe er in seinem ganzen Leben nicht erlebt.
Mit dem Notstand kann die Regierung von Präsident José Raúl Mulino bis zu 100 Millionen Dollar an Hilfen schneller bereitstellen. Die USA sagten fünf Millionen Dollar zu und schickten Hubschrauber mit Lebensmitteln sowie ein Expertenteam. Am Montag fällt im ganzen Land der Unterricht aus. Der Panamakanal arbeitet dagegen normal weiter.
