Knapp drei Wochen nach der Parlamentswahl steht in Marokko fest, wer künftig regieren wird. Fatima Ezzahra El Mansouri, die als erste Frau an die Spitze einer marokkanischen Regierung rückt, hat am Montag in Rabat ihre Mehrheit präsentiert. Neben ihrer eigenen Partei für Authentizität und Moderne (PAM) gehören dem Lager die konservativ-nationalistische Istiqlal sowie die beiden linken Kräfte USFP und PPS an.
Rechnerisch ist das Bündnis komfortabel, aber nicht üppig ausgestattet. Zusammen kommen die vier Parteien auf 207 der 395 Abgeordneten, die Schwelle für eine absolute Mehrheit liegt bei 198. Den größten Anteil stellt die PAM mit 97 Mandaten, gefolgt von Istiqlal mit 65. Die Sozialisten der USFP bringen 26 Sitze ein, die PPS 19.
Bemerkenswert ist vor allem, wer fehlt. Die Nationale Sammlung der Unabhängigen (RNI), die bislang den Regierungschef stellte und bei der Wahl am 23. September mit 66 Sitzen knapp auf Platz zwei landete, muss in die Opposition. Istiqlal, USFP und PPS bilden dagegen ein Trio mit langer gemeinsamer Geschichte: Sie gehörten einst zum Oppositionsblock Koutla. Die PPS hatte ihre Zusage erst am Montagvormittag nach einer Sitzung ihres Politbüros gegeben.
In einer gemeinsamen Erklärung versprechen die Partner eine „starke und geschlossene“ Mehrheit. Als Schwerpunkte nennen sie mehr soziale Gerechtigkeit, einen Abbau des Gefälles zwischen den Regionen, den Schutz von Grundrechten sowie wirtschaftliches Wachstum. Offen ist noch, wer welches Ministerium übernimmt. Die Parteien wollen Kandidaten nach Kompetenz und Integrität vorschlagen und das Regierungsprogramm zügig vorlegen.
Viel Zeit bleibt nicht: Bis zum 20. Oktober muss der Haushaltsentwurf für 2027 im Parlament liegen. Zudem erwarten die Bürger Antworten auf Arbeitslosigkeit unter Jüngeren sowie Mängel in Schulen und Kliniken, die im vergangenen Jahr die Gen-Z-Proteste ausgelöst hatten. Die großen Linien der Außen- und Sicherheitspolitik bestimmt in der konstitutionellen Monarchie ohnehin weiterhin König Mohammed VI., der El Mansouri am 29. September mit der Regierungsbildung beauftragt hatte.
