Lange Gesichter vor den Anzeigetafeln: Wer am Freitag in Italien in den Urlaub oder zu einem Termin fliegen wollte, brauchte viel Geduld. Grund war ein Fehler im Datennetz der Flugsicherung, das die Kontrollzentren im ganzen Land miteinander verbindet.
Bemerkt hatte die zuständige Gesellschaft ENAV die Unregelmäßigkeiten schon in der Nacht. Zunächst fingen Notfallsysteme das Problem auf, bis sechs Uhr lief der Betrieb ohne Einschränkungen. Mit dem zunehmenden Morgenverkehr reichte das nicht mehr aus. ENAV regulierte daraufhin den Verkehrsfluss und senkte die Zahl der Maschinen, die gleichzeitig im italienischen Luftraum unterwegs sein durften, vorübergehend um die Hälfte.
Am Flughafen Rom-Fiumicino strichen die Airlines bis zum späten Vormittag zwölf Abflüge, darunter Verbindungen nach München, Lyon, Valencia und Riad sowie Inlandsflüge nach Mailand, Turin oder Catania. Rund 20 weitere Maschinen hoben mit ein bis zwei Stunden Verspätung ab. Auch in Mailand, Bergamo, Neapel, Venedig, Palermo und Cagliari kam es zu Ausfällen. Betroffen waren zudem Flüge von und nach Deutschland.
Einen Hackerangriff oder Sabotage schloss ENAV aus. Die Techniker hätten die Ursache im Datenübertragungsnetz lokalisiert, hieß es. Um möglichst viele Starts zu ermöglichen, auch auf Langstrecken, wich man auf alternative Übertragungswege aus.
Am Nachmittag gab das Unternehmen Entwarnung: Der Fehler sei behoben, der Luftraum wieder voll nutzbar. Mit Folgeverspätungen mussten Reisende dennoch rechnen. Sie sollten sich vor der Fahrt zum Flughafen bei ihrer Fluggesellschaft über den Status ihres Fluges informieren.
Der Vorfall zeigt, wie verletzlich der Luftverkehr gegenüber technischen Pannen ist. Schon ein einzelnes gestörtes Netz reicht, um in einem der beliebtesten Reiseländer Europas zahlreiche Reisende festsitzen zu lassen. Die genaue Ursache des Fehlers will ENAV nun klären. Wann ein Ergebnis vorliegt, blieb zunächst offen.
