Ein französischer Bürgermeister verletzt, ein belgischer Dienstwagen beschädigt, Diplomaten in Bedrängnis: Im besetzten Westjordanland haben vermummte israelische Siedler am Samstag eine Gruppe europäischer Besucher angegriffen. Schauplatz war Taybeh, ein überwiegend christlich geprägtes palästinensisches Dorf nordöstlich von Ramallah.
Unterwegs waren dort der belgische Generalkonsul, Vertreter Frankreichs und Polens sowie Abgesandte der katholischen Kirche. Sie wollten den Bauern bei der Olivenernte beistehen. Bernard Baudoux, Bürgermeister des nordfranzösischen Städtchens Aulnoye-Aymeries, sagte der Agentur Reuters, er sei mitten im Hain brutal angegangen worden.
Belgiens Außenminister Maxime Prévot reagierte scharf. Sein Team sei in Sicherheit, schrieb er, doch die Straflosigkeit gewalttätiger Siedler müsse enden. Brüssel werde sich in der EU weiter für Sanktionen gegen die Täter und ihre Unterstützer einsetzen. Die Gewalt lasse sich, so Prévot, nicht von der israelischen Siedlungspolitik trennen. Belgien hatte bereits angekündigt, keine Waren aus Siedlungen mehr einzuführen.
Aus Israel kamen gemischte Signale. Außenminister Gideon Saar verurteilte die „Randalierer“, meinte aber zugleich, ein mit der Armee abgestimmter Besuch hätte die Gäste besser schützen können. Das Militär sprach von einer schweren Gewalttat und betonte, es seien keine Soldaten vor Ort gewesen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und kündigte an, alle Beteiligten zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Der palästinensische Vizepräsident Hussein al-Scheich nannte den Vorfall ein Beispiel für den Alltag in den Dörfern.
Schon am Vortag war die amerikanische Fotografin Heidi Levine, die für die Washington Post arbeitet, bei einem ähnlichen Übergriff verletzt worden und musste in eine Klinik. Seit Beginn der Erntesaison in diesem Monat zählt das palästinensische Gesundheitsministerium mindestens vier Tote und über 100 Verletzte.
Brisant ist der Zeitpunkt: In Israel wird am 27. Oktober gewählt, und die Regierung Netanjahu steht wegen der Lage in den besetzten Gebieten international unter Druck.
