Am Anfang stand ein Missgeschick im Aquarium. Im Labor der Universität Stanford kippten zwei Bruchstücke derselben Korallenkolonie um und lehnten danach aneinander: eines kerngesund, das andere ausgebleicht und am Verhungern. An der Berührungsstelle kehrte die Farbe zurück. Meeresbiologe Steve Palumbi bemerkte das Phänomen, sein Doktorand Danny Collins machte daraus einen Versuch.
Die Ergebnisse sind nun in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen. Collins bildete zehn Paare aus je einem gesunden und einem gebleichten Stück der Blumenkohlkoralle Pocillopora damicornis, alle vom selben Tier. Bei fünf Paaren durften sich die Fragmente berühren, bei den anderen blieben wenige Millimeter Abstand. Das Resultat war eindeutig: Mit Kontakt erholten sich die geschwächten Korallen binnen rund sieben Wochen vollständig, ohne Kontakt starben sie.
Der Grund liegt in der Biologie der Nesseltiere. Erbgleiches Gewebe erkennt sich und wächst zusammen. Dabei entstehen feine Kanäle, durch die der gesunde Partner Nährstoffe und die lebenswichtigen Symbiose-Algen weiterreicht. Schon nach drei Tagen wanderten die ersten Algen hinüber. Eine Woche Kontakt genügte; danach konnte man das gesunde Stück entfernen, die Erholung lief von allein weiter.
Die Entdeckung kommt zur rechten Zeit. Marine Hitzewellen häufen sich, und unter Hitzestress stoßen Korallen ihre Algen ab. Sie werden weiß und haben dann nur begrenzt Zeit, bevor sie verhungern. In freier Natur dauert eine Erholung meist Monate bis Jahre. Sieben Wochen sind der schnellste je dokumentierte Wert.
Die Forscher warnen allerdings vor zu großer Euphorie: Es handelt sich um ein Laborexperiment, nicht um eine fertige Methode für ganze Riffe. Ob sich die Technik im offenen Meer bewährt, sollen weitere Studien zeigen.
