Mit einer feierlichen Zeremonie in Jerusalem hat Kolumbien seine neue Botschaft eröffnet. Außenminister Omar Bula Escobar und sein israelischer Amtskollege Gideon Sa’ar weihten die Vertretung am 14. Oktober ein. Präsident Abelardo de la Espriella, seit August im Amt, erfüllte damit ein zentrales Wahlversprechen: die Mission von Tel Aviv in die umstrittene Stadt zu verlegen.
Colombia gehört damit zu den wenigen Staaten, die ihre Botschaft in Jerusalem unterhalten; laut Berichten ist es das zehnte Land mit Sitz dort. Die Regierung hatte die diplomatischen Beziehungen zu Israel bereits am Tag der Amtsübernahme am 7. August wiederhergestellt – nach dem Bruch unter Vorgänger Gustavo Petro. Botschafterin Tania Gilinski soll die Mission leiten.
De La Espriella sprach in einer Videobotschaft von einem „strategischen Band“ und betonten Nutzen für Handel, Wissenschaft und Sicherheit. Sa’ar erinnerte daran, der kolumbianische Präsident habe ihm schon vor der Wahl zugesagt: Wenn er gewählt werde, ziehe die Botschaft sofort nach Jerusalem um. Das Versprechen sei gehalten worden.
Der Kurswechsel geht über die Adresse hinaus. Bogotá erkannte die israelische Souveränität über die Golanhöhen an – nach den USA als zweites Land –, hob das Kohleexportverbot auf, setzte die Visa-Pflicht beidseitig aus und begann, den Beitritt Kolumbiens zur Klage Südafrikas vor dem Internationalen Gerichtshof zurückzunehmen. Eine binationalen Wirtschaftskommission und eine Delegationsreise im Oktober sollen die Kooperation vertiefen.
Kritiker sehen darin eine Absage an UN-Resolutionen zum Status Jerusalems und befürchten Reputationsschäden. Befürworter verweisen auf jahrzehntelange Sicherheitspartnerschaft und Annäherung an Washington. Unabhängig von der Bewertung markiert die Eröffnung einen der schnellsten diplomatischen Kehrtwendungen in Lateinamerika in diesem Jahr. Für Jerusalem bleibt die politische Symbolkraft hoch: Wer seine Botschaft dorthin verlegt, stellt sich öffentlich hinter Israels Hauptstadtanspruch – und nimmt diplomatische Gegenreaktionen in Kauf.
