Mit einem Erlass vom 5. November hat Russlands Präsident Wladimir Putin die russischen Produktionsbeteiligungen von Japan Tobacco International (JTI) unter vorübergehende Verwaltung gestellt. Verwalter ist die Aktiengesellschaft Promyshlennye Aktivy (Industrial Assets). Betroffen sind Anteile an vier Gesellschaften – darunter Donskoj Tabak, Pereslavl-Tabak, JTI Yelets und Kres Neva –, die Fabriken in Rostow am Don, Jelez, der Leningrader Oblast und Sankt Petersburg betreiben.
JTI gilt nach eigenen Angaben als größter Tabakhersteller Russlands nach Absatz und hält Schätzungen zufolge bis zu etwa 40 Prozent des Zigarettenmarkts. Die Markenpalette reicht von Winston und Camel bis zu lokalen Labels. Das Unternehmen ist seit 1999 vor Ort; ein Drittel von Japan Tobacco gehört dem japanischen Staat. In einer Stellungnahme erklärte JTI, man kenne den Erlass und prüfe Lage und Optionen – mit Priorität für Beschäftigte und andere Stakeholder.
Der Schritt reiht sich in eine Welle staatlicher „temporärer“ Übernahmen westlicher Firmenvermögen ein, die Moskau als Antwort auf Sanktionen und eingefrorene russische Assets im Ausland begründet. Im Herbst trafen ähnliche Maßnahmen unter anderem Metro, Auchan und Nestlé. Der zugrunde liegende Mechanismus geht auf einen Präsidentenerlass von April 2023 zurück.
Zugleich verschlechtern sich die Beziehungen zu Japan: Tokio unterstützt die Ukraine und schließt sich G7-Sanktionen an; zuletzt belasteten der Verkauf von Drohnen an Kiew und die Festnahme eines japanischen Journalisten auf Sachalin das Klima. Ob die Werke unter neuem Verwalter weiterlaufen und wann – oder ob – die Kontrolle zurückkehrt, ließ der Kreml offen.
Beobachter rechnen damit, dass weitere ausländische Hersteller die Lage genau beobachten – der Präzedenzfall JTI könnte das Investitionsklima für noch verbliebene Konzerne zusätzlich belasten.
Für Tokio ist der Eingriff auch ein diplomatisches Signal: Japan bleibt in Moskaus Augen fest im westlichen Lager – mit wirtschaftlichen Kosten für japanische Marken, die den russischen Markt lange hielten.
