Früher brauchten Bankräuber Schweißgeräte, heute genügt offenbar der Zugang zu einem Dienstleister. Die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel Arkéa mit Sitz in Le Relecq-Kerhuon bei Brest hat am Mittwoch eingeräumt, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein. Der Schaden liegt nach eigenen Angaben bei mehr als 100 Millionen Euro. Die Regionalzeitung Le Télégramme hatte zuvor von rund 118 Millionen Euro berichtet; diese Zahl wollte das Institut nicht bestätigen, die Größenordnung aber schon.

Bemerkenswert ist der Weg des Geldes. Die Täter griffen nicht auf Kundenkonten zu, sondern auf das Eigenkonto der Bank. Von dort lösten sie Überweisungen an andere Geldhäuser aus und tauschten die Summen anschließend über Kryptobörsen in Digitalwährung um. Eingedrungen seien sie über die Plattform eines externen Partners, betont Arkéa. Spekulationen, die Onlinetochter Fortuneo sei das Einfallstor gewesen, wies der Konzern zurück. Ein menschlicher Fehler im eigenen Haus liege nicht vor.

Für die Kundschaft der Verbünde in der Bretagne und im Südwesten blieb es bei Unannehmlichkeiten: Die App war stundenlang nicht erreichbar, manche Überweisungen wurden vorsorglich angehalten und verspätet ausgeführt. Guthaben seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, versichert die Bank. Ein Teil der Beute sei bereits blockiert worden, um den Rest bemühe man sich.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat nach einer Anzeige Ermittlungen wegen bandenmäßigen Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem eingeleitet. Fachleute sprechen von einem Novum in Europa. Weil die Beute in viele kleine Pakete aufgeteilt wurde, dürfte es schwer werden, sie vollständig zurückzuholen. Pikant: Erst vor wenigen Wochen war die Bank für ihre Innovationen in der IT-Sicherheit ausgezeichnet worden. Experten warnen, dass ähnliche Angriffe künftig auch Privatkonten treffen könnten, wenn Dienstleister nicht besser abgesichert werden.

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