In Kuba bleibt für immer mehr Menschen der Wasserhahn trocken. Nach Angaben der Behörden waren Anfang der Woche 2.681.770 Einwohner von Störungen der Trinkwasserversorgung betroffen, fast ein Viertel der Bevölkerung. Präsident Miguel Díaz-Canel nannte die Lage in seiner Radiosendung „Criterio Compartido“ am Mittwoch „grave y complejo“, also ernst und vielschichtig.

Die Zahlen lieferte Antonio Rodríguez, Chef des staatlichen Instituts für Wasserressourcen. Zwei Drittel der Ausfälle gehen demnach auf fehlenden Strom zurück, ein Viertel auf kaputte Pumpen. Am schlimmsten ist die Hauptstadt: In Havanna sind rund 536.000 Menschen betroffen. Große Probleme gibt es außerdem im Osten der Insel, etwa in Holguín und Santiago, sowie im Westen um Pinar del Río. In manchen Orten warten Familien laut Berichten bis zu 40 Tage auf Wasser aus der Leitung, Müllberge auf den Straßen verschärfen die hygienische Lage.

Ungewöhnlich deutlich fiel die Selbstkritik des Staatschefs aus. Neben dem US-Embargo, der Energiekrise und maroden Rohren machte Díaz-Canel auch „Nachlässigkeit“ und mangelnde Abstimmung in den eigenen Behörden verantwortlich. Die Bevölkerung sei „keine Last“, sondern der Grund, warum es Institutionen überhaupt gebe.

Die Regierung setzt nun auf Sonnenenergie. Für die drei wichtigsten Wasserquellen Havannas sollen zehn Solarparks mit zusammen 200 Megawatt samt Batteriespeichern entstehen, fertig bis August 2027. In anderen Provinzen sollen 1.312 Pumpen auf Solarstrom umgestellt werden, 853 davon laufen bereits. Große Investitionen bräuchten Zeit, räumte Díaz-Canel ein, bis dahin müsse man die akuten Engpässe lindern. Das Stromnetz der Insel gilt seit Mitte 2024 als schwer angeschlagen. Ob die Solarpläne schnell genug greifen, bevor die nächste Hitzeperiode kommt, ist offen; die Behörden erklärten lediglich, man arbeite daran, den Zeitplan zu verkürzen.

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