Europa’s Trace Gas Orbiter liefert neue Hinweise, dass der Mars geologisch nicht ausgekühlt ist. Ein Team um Alexander Trokhimovskiy meldet in „Science Advances“ ungewöhnliche Chlorwasserstoff-Signale (HCl) über der Nordflanke des Riesenveulkans Alba Mons – lokal, scharf begrenzt und zur falschen Jahreszeit für die sonst üblichen Staub-Eis-Zyklen der Südhalbkugel.
Die Konzentrationen liegen bei nur etwa zwei Teilen pro Milliarde. Dennoch deutet die räumliche Übereinstimmung mit frischen, gut hundert Meter langen Spalten auf magmatische Entgasung hin. Planetengeologe Daniel Mège von der Polnischen Akademie der Wissenschaften spricht von Zeichen, die „insgesamt auf einen vulkanischen Ursprung“ weisen. Im Winter blockiert Oberflächen-Eis offenbar den Gasaustritt; im nördlichen Sommer entweichen die Dämpfe.
Sicher ist das noch nicht: Die Forscher können nicht beweisen, dass genau diese Spalten die Quelle sind – es könnten auch unterirdische Gaspolster oder hydrothermale Reaktionen sein. Kevin Olsen von der University of Oxford nennt die Natur der Quelle offen. Klassische Lavaströme hat niemand beobachtet; es geht um ruhende Entgasung über möglicherweise noch heißen Magmenkörpern.
Für die Astrobiologie wäre aktiver Magmatismus spannend, weil heiße Fluide unter der Kruste Nischen für Mikroben schaffen könnten – auch wenn HCl selbst eher lebensfeindlich ist. Der Orbiter hat damit kein Spektakel, sondern eine Spur geliefert: Mars könnte dormant sein statt tot. Nächste Schritte sind dichtere Atmosphären-Messungen und gezielte Bilderserien der Alba-Mons-Risse.
Alba Mons gilt als flächenmäßig größter Vulkan des Mars; junge Lavaströme und die InSight-Marsbeben in anderen Regionen hatten schon zuvor die These genährt, dass unter der Kruste noch etwas in Bewegung ist.
